Lebende Schiffe, die nicht nur denken und fühlen, sondern auch noch reden können? Fand ich irgendwie doof. Robin Hobb setzt ihre Idee gekonnt um, der Leser wird anfangs nicht übermäßig damit belästigt. Für das Reden sind gnädigerweise die Galionsfiguren zuständig, und unversehens hat man sich auch schon daran gewöhnt.
Hobb lässt sich enorm viel Zeit, ihre Verwicklungen aufzubauen, das liest sich angenehm. Insgesamt füllt die Geschichte wohl über dreitausend Seiten. Ich mag es, wenn ich mich in einer fantasierten Welt erst ein wenig umtun darf, bevor der Ärger losgeht. Nur ein Band war mir zum Einlesen zu wenig, gleich sechs davon zuviel.
Eine angenehme Abwechslung, den eigenen Kram liegen zu lassen und statt dessen eine andere Gegend zu erforschen. Leider nicht immer entspannend. Hobb verwendet für meinen Geschmack außer der Wiederholung gar zu häufig ein bestimmtes Stilmittel. Eher einen miesen Trick, mit dem sich ein Konflikt lange in der Schwebe halten lässt (oder wozu auch immer das gut sein soll).
Ihre Charaktere scheinen zu Taten schreiten zu wollen, doch dann verlässt sie plötzlich der Mut. Im Verein mit einer vor Unglaubwürdigkeit zweidimensional wirkenden Figur zermürbend das den Leser. Immer wieder packt jemanden kalte Wut … holt wer tief Luft … will sich einer etwas nicht bieten lassen … bla bla bla … und tut dann doch nichts.
Anfangs habe ich mich gefreut über diese Stellen: Weil der ermüdend unwissende Kapitän nun endlich gemaßregelt wurde und ich danach in Ruhe eine gute Geschichte würde lesen dürfen. Doch das passierte nicht.
Jedes einzelne Mal rüsten sich die Kontrahenten großartig zur Gegenwehr – und geben dann klein bei. Hobb hält in keinem Fall, was ihre Wortwahl verspricht. So geht das über mehrere hundert Seiten. So verkommen die Figuren zu Fähnchen im Wind.
Die inzwischen erboste Leserin findet das nicht spannend, die fühlt sich veräppelt und will der Autorin den Hals umdrehen. Besagter Kapitän schreit oder brüllt in so ziemlich jeder Szene, tut den “Fähnchen” so fiese wie unnötige Gewalt an. Sonst bringt er nichts zustande.
Schon bald wurden sie zur Hasslektüre, die Auftritte des blondroten Brüllschemens. Nach etwa dreihundert Seiten lief ich bei solchen Szenen selber rot an und überbrüllte den Kapitän. Das letzte (und bisher einzige) dermaßen nervtötende Buch habe ich tätlich angegriffen, von Jähzorn überwältigt.
Robin Hobb ist eine gefragte Autorin, dieses Stilmittel scheint außer mir niemanden sonderlich zu erschüttern. Doch selbst Hobb ist irgendwann aufgegangen, dass ihr Kapitän zumindest in der Lage sein muss, ein Schiff zu befehligen. Im zweiten Band nimmt sie sich bei dieser Figur endlich zurück.
Dafür zeichnet sich gegen Ende ab, dass ein bis dahin lebensecht dämlich dargestelltes Teenager-Mädchen zum das Lesevergnügen vergällenden Faktor werden könnte. Eine kurze Recherche hat mir diese Vermutung bestätigt. Überhaupt scheint das Buch doch eher für Mädchen im schulpflichtigen Alter gedacht zu sein. Selbst der berüchtigte Piratenkapitän zeigt bisweilen verstörend pubertäre Züge.
Mit zwölf hätte ich alle sechs Bände verschlungen, heute reichen mir Band eins und zwei. Genügsamkeit des Alters. Mein Bedürfnis nach Stress beim Lesen ist nicht so groß, dass ich mir den Rest auch noch antun werde. Schade, denn – Schülerkram hin, Schülerkram her – einige Kapitel waren sehr unterhaltsam. Nur zum Lachen hat der Leser wenig Anlass.