Er war wieder da! Der bestialische Gestank hatte sich zuletzt beim letzten Kurbeln in einer neuen Form gezeigt. Als ich zum Trinken durch den Flur in die Küche gelaufen bin, war er einfach da. Klare Sache, die Dachkammer, denn beim Kurbeln hatte ich von draußen nichts gerochen. Ich beendete das Training und schaute nach. Die Dachkammer roch nach Dachkammer, also recht frisch. Nanu? Ich steckte die Nase in den Hausflur, gnörk, alles klar: Kategorie ‘Ölofen-im-Sturm, von drinnen’. Als Kind habe ich ein paar Jahre lang mit Ölöfen gewohnt und so roch es, wenn bei Sturm der Wind durch den Schornstein gefahren ist und die Klappen der Öfen hochgedrückt hat. Sehr gemütlich das, hust-kotter. Meine Vermieterin hat einen großen Ölofen in der Hinterstube stehen und der war wohl etwas launig an diesem Tag.
Letzten Sonntag hatte ich eigentlich wieder mal kurbeln wollen. Ja ja, fünf Tage war es her … trotzdem habe ich es verschoben, weil ich mächtig viel am Computer zu arbeiten hatte. Ein Glück! Ich schnappe beim Arbeiten gern mal am offenen Fenster Luft und gucke sinnlos in die Gegend. Obwohl hauptsächlich die Fenster der Nachbarn zurückgucken, ist das recht entspannend und man kann frisch gestärkt weiterarbeiten. Diesmal zog ich den Kopf schleunigst zurück, der Gestank war wieder da. Kategorie ‘pestilenzartig-ätzend, von draußen’. Ich wetzte ins Schlafzimmer und schloss dort das Fenster, im letzten Augenblick, ein wenig war schon hereingezogen. Setzte mich wieder an den Rechner und dachte weiter nicht daran.
Als ich nach einiger Zeit in den Flur ging, roch es dort reichlich stark nach dem bestialischen Gestank. Ein Fenster vergessen? Nein. Der Ölofen wieder? Nein. Ich öffnete die Tür zur Dachkammer und fuhr zurück. Meine Herren! Die Gasetagenheizung sah normal aus und funktionierte. Nach vorne raus am Fenster ergab die Schnupperprobe nicht gerade gute, aber auch nicht extrem stinkende Luft. Naja, war wohl alles in meine Dachkammer gewandert inzwischen! Ich wagte mich hinein, riss trotz des Nieselregens das Blechfenster auf und stieg auf den Stuhl darunter. Hatte eine Nachwehe von Emma einen der Schornsteine abgerissen? Nein, das Dach sah aus wie immer. Ich stieg sogar in den Spritzboden (wahlweise Spitzboden), auch hier war nichts zu sehen. Keine Ahnung, was ich erwartet hatte. Ein Loch im Kamin?
Ich ließ das Fenster offen, damit der Gestank abzieht, was bei dem kleinen Fenster ziemlich lange dauern kann. Statt dessen zog er allmählich bis in mein Arbeitszimmer. So taugte das nichts. Da die Dachkammer noch immer stärker stank als der Wohnungsflur, fiel sie beim Lüften eigentlich aus. Versuchsweise setzte ich daher den Hausflur mit ein, sonst einer der Gestanklieferanten. Sprich, ich riss auch die Wohnungstür und die zur Dachkammer auf. Es hat funktioniert, binnen kurzem roch mein Flur wenigstens vorn nur noch schwach nach dem Duschgel, das irgendjemand im Haus verwendet. Dabei fiel mir auf, dass es schon lange nicht mehr nach Zigarettenqualm gestunken hat, etwa so lange, wie hier offenbar jemand neues eingezogen ist – wenn auch der Name an der Klingel noch derselbe ist. Hat da etwa jemand im Hausflur geraucht?! Das wäre des Rätsels Lösung! Wo aber der Bestialische herkommt, ist noch immer ungeklärt.
Schlagworte: Gestank