SERAPHIM – Mea Culpa. So fantastisch wie Sandra Baumgärtners Blick auf Trier gibt sich das Umfeld ihrer zweiten Veröffentlichung. Unter dem Motto Vampire in Trier lud die Autorin Anfang November zur Buchpremiere in die TUFA.
Im Vorfeld gab es jede Menge Werbung: Bei 16vor.de hieß es “Neuer Vampirroman aus Trier”, 5vier.de kündigte an: “Seraphim: Mea Culpa” – Premiere am 3. November in der Tuchfabrik. Die Autorin selbst warb bei Twitter für den Abend, nannte den Termin auf ihrer Homepage. Bei Facebook schrieb sie mehrfach davon, unter anderem auf der Seite Große offizielle BUCHPREMIERE von `SERAPHIM: Mea Culpa´, Band 2 der Vampir-Saga. Auf kulturland-rpl.de hieß es Seraphim: Mea Culpa-Premiere – 3. November 2012 – Trier, die Saarbrücker Zeitung meldete Seraphim – Mea Culpa (Vampirsaga). Auch die Trierer Tageszeitung erwähnt die Veranstaltung in Von düster bis heiter.
All diese Artikel sprechen von einer Buchpremiere. Neugierig auf das zweite geniale Cover aus Fantasios Werkstatt suchte ich vor Ort nach dem Büchertisch, entdeckte stattdessen Karten zum Vorbestellen. Der Abend fand ohne Buch statt, Mea Culpa existierte noch nicht.
Für den Nachbericht fragte ich bei Baumgärtners Verleger Rainer Breuer, ob es dazu eine offizielle Stellungnahme des Verlags gebe. Antwort: Vampire in Trier sei keineswegs als Buchpremiere zu betrachten, sondern als schöner Genreabend im Halloween-Umfeld. Veranstaltet habe ihn der Kulturverein éditions trèves, nicht etwa der Verlag kleine schritte.
Hier also mein Eindruck von der Nichtpremiere:
Samstag, dritter November 2012, zwanzig Uhr. Trier – wo man sich trifft. Völlig unverabredet stiefelte ich durch den Regen zur Tufa, nur um vor der Tür Oliver Wetter vorzufinden: Den Designer von Sandra Baumgärtners genialen Buchcovern, auch bekannt als Fantasio. Mit uns standen noch vier oder fünf andere Leute vor der Tür, obwohl es schon stark auf acht Uhr zuging.
Wenn ein halbes Dutzend Zuschauer vor dem falschen Eingang wartete, musste die Veranstaltung gut besucht sein … Wir kannten zwar nicht unbedingt einander, wohl aber den Haupteingang der ehemaligen Tuchfabrik in der Wechselstraße. Die Internetinfos zur Buchpremiere vermerkten durchaus etwas von “Eingang soundso”, doch offenbar hatte nicht nur ich dieses Detail sofort wieder vergessen. So riesig ist die TUFA nicht, da würde man schon auch über die Haupttür reinkommen.
Falsch gedacht. Den Veranstaltungsraum wussten wir alle: Großer Saal. Die Leute vor mir hatten das gläserne Treppenhaus bereits erkundet, in jeder Etage hatten sie verschlossene Türen vorgefunden. Ein Hinweiszettel sprach vom ersten Stock. Er log. Trotzdem stiegen wir erneut bis in die zweite Etage – vielleicht hatte inzwischen jemand aufgeschlossen. – Fehlanzeige. Wieder im Erdgeschoss, entdeckte einer von uns eine Flügeltür mit Schild: Großer Saal! Doch auch diese Pforte wollte uns nicht einlassen.
Ich wiederum kannte die Verbindungstür zum Textorium, der tufaeigenen Kneipe. Gaststuben sind mein Metier, also stiefelte ich hinein und fragte die Thekenfrau nach den Vampiren. Freundlich wies sie zum Nebeneingang, zu sehen durch die Glastür auf der gegenüberliegenden Seite des Gastraums. Aha! Freudig holte ich meine Türgenoss/inn/en aus den Tiefen der Tufa und führte sie durch das Tex zur Abendkasse des großen Saals.
Die Kasse hütete Rainer Breuer höchstselbst, Verleger & Autor beim Verlag kleine schritte. Über ein breit angelegtes Stufenpodest betraten wir einen tatsächlich gut gefüllten Saal. Kein Tisch mehr frei, Fantasio und Hettenwerk durften sich dazusetzen. Wie ich später erfuhr, hatte es einen Sekt gegeben, den hatten wir verpasst. Auch die erste Weinprobe war längst ausgeschenkt und leergetrunken. Ich schaffte es, eine weinkundige Frau mit Flasche an unseren Tisch zu locken, nachdem sie mehreren anderen Gästen nachgeschenkt hatte. Gerecht teilte sie die letzten paar Centiliter auf unsere beiden Gläser auf. Auf meine Frage hin nannte sie einigermaßen erstaunt die 2011er Riesling Spätlese.
Wir nippten, scherzten, sahen uns um, plötzlich wurde es stockdunkel. Offenbar hielten überdies alle die Luft an, denn nach Sekunden erstaunten Gemurmels trat vollkommene Stille ein. Als sich das fast schon unbequem anfühlte, materialisierte ein lauter Trommeltakt Asherah Latifa aus dem Off. Ein Spotlicht und Musik brachte sie mit sich, tanzte die Stufen des Podests hinunter und zwischen den Tischen hindurch bis zur Bühne.
Dem furiosen Start folgte Maria Kulowska. Eine Musikerin und ihr Cello im Dämmerlicht der Bühne, gemeinsam bewirkten sie mehr als das Hightechequipment so mancher Gruftidisco. Von diesem Instrument habe ich keinen Plan, mich faszinierte seine Klangfülle. Die Sanftheit des Spiels wo nötig, die Schrägheit mancher Passagen, die sich Kulowska eigens für diesen Abend ausgedacht hatte.
Nach dem Applaus gesellte sich Rainer Breuer im Premierenmantel zu ihr, mit Mikrofon, rezitierte ein Gedicht. Verse und Cello passten gut zusammen.
Den genauen Ablauf des Programms habe ich nicht mehr im Kopf – ich glaube, dann las Sandra Baumgärtner eine Szene mit Vampir und Opfer aus Seraphim – Mea Culpa. Dem folgte die erste Bauchtanzperformance von Asherah und Ryka.
Bauchtanz und Lesung, wie stimmt das nun wieder zusammen? In dem Fall hervorragend. Zu den getragenen Klängen von Voodoo (Godsmack) wagte Ryka, Asherah von sich zu stoßen. Asherah rächte sich, indem sie Ryka mit Puppe und Nadel erledigte. Eine sehr gelungene Performance, das Publikum erlebte das Geschehen spürbar mit und applaudierte begeistert.
Inhaltlich bereitete uns der bellydance auf Baumgärtners zweite Leseprobe vor. Nebel stieg auf, kaltblaue Düsternis statt der Gelb- und Rottöne der Tanzdarbietung. Während der Lesungen lag der Große Saal im Finstern, nur punktuell erhellt von den winzigen Elektroteelichtern der Tischdekoration. Im schwachen Schweinwerferbunt schimmerte das Gewand der Autorin mal grünlich, mal bläulich. Ihr Manuskript glühte regelrecht, ein gelungener Effekt. Ab und an schwand das Licht fast völlig und ich fragte mich, ob sie den Text auswendig vortrug: Die anfangs noch skeptische Seraphim bekommt von einem Voodoomeister eine Puppe überreicht, die verstörenderweise Leander Kayrans Initialen trägt.
Ob Cellosolo, Cello mit Rezitat, Tanzperformance oder Lesung: Die Beleuchtung setzte jede Darbietung hervorragend in Szene, holte die Künstler aus dem Dunkel, ließ sie darin versinken. Nach zwei Durchgängen erkühnte sich Baumgärtner zur Behauptung, das Programm sei nun zu Ende. Es sei denn, das Publikum wünsche eine – “Haha”, schrie das Publikum (oder jedenfalls ich), “Zugabe!” Wir klatschten und bekamen unseren Willen.
Erheiterndes Lokalkolorit: Scheinbar unbedarft steigt Seraphim zu einem Typen ins Auto, der offenkundig ein Sexabenteuer sucht. Als vermeintliches Opfer tritt die Vampirschöne im blauen Licht einer Tankstelle auf. So ziemlich jeder Moselmetropolaner dürfte den Namen dieser Treibstoffquelle kennen. – Später, in der einsamen Grillhütte, dreht Sera den Spieß um …
Die Autorin las mit unterschiedlichen Stimmen, beschwor überzeugend den üblen Charakter von Leanders Todfeind Lucijan Davorin. Fast glaubte ich, ihn zu sehen. Gehüllt ins prächtige Gewand seiner Schöpferin, verborgen in ihrer Gestalt. Anlässlich der Premiere von Band eins der Vampirsaga hatte ich Sandra Baumgärtner erstmals lesen gehört. Eineinhalb Jahre lang hat die Autorin dieses Buch durch die Republik gefahren, hat daraus gelesen auf zahlreichen Events. Nachvollziehbar daher Baumgärtners Versprecher, sie habe uns Carpe Noctem vorgestellt – der Band erscheine hoffentlich bald im Handel. Nach einer winzigen Pause der Zwischenruf ihres Verlegers: “Mea culpa!”
Übrigens erwies sich die Tischbeleuchtung neben dem zierenden Effekt auch als nützlich beim Auffinden des Naschwerks und der Weingläser. Dem Riesling folgte ein halbes Glas Rotwein, das Probierwilligen am Thekentisch eingeschenkt wurde: 2011er Römerhof Spätburgunder, ein köstlicher Rotwein, seit Jahren immer wieder prämiert. Vielen Dank für die Informationen an den ob meiner Frage etwas ungehaltenen Herrn Breuer.
Für eine Buchpremiere Nichtpremiere durften wir ein beachtliches, zudem rundum gelungenes Programm genießen. Möglich gemacht haben den Abend die Künstlerinnen und Künstler, das Tufa-Team, das im Hintergrund an der Technik gewirkt hat, und nicht zuletzt knapp einhundert Gäste. Außerdem eine Reihe von Sponsoren, die uns Baumgärtner wärmstens empfahl: CityRadioTrier 88,4 * Blesius Garten in Olewig * Buch Solar aus Trier * Zahnarztpraxis Chybych, ebenfalls Trier * Schreibwaren Diederich aus Schweich * Küchen Kirch aus Waldrach
Anbei ein paar visuelle Eindrücke. Von meinen Fotos waren nur zwei tauglich, die prächtigsten Verschwommenheiten können Sie im Sneak Preview zu diesem Bericht genießen. Ansonsten habe ich Einzelszenen aus kleinen Videos extrahiert.
Mit einem Link zum Bestellen oder auch nur einem voraussichtlichen Erscheinungstermin kann ich leider noch nicht dienen. Immerhin meldete die Autorin Anfang Dezember, sie habe die Druckfahnen fertig überarbeitet und mit ihren Korrekturwünschen an den Verlag zurückgesendet. Seraphims Fans dürften jubeln, endlich geht es voran.
Update 26.12.: Wenn man mal Facebookpause macht … Die ersten Buchexemplare sind am 20. Dezember bei der Autorin eingetroffen. Interesse? Bestellen Sie Seraphim – Mea Culpa z.B. auf Sandra Baumgärtners Homepage.
Mehr dazu: