Feind im Kniestock

High noon. Am gnadenlos blauen Himmel gleißt die Sonne. Salzig rinnt es von der Stirn in meine Augen, das Hemd klebt am Rücken. Mit ausgedörrter Kehle steige ich ab, die Feldflasche ist schon lange leer. Ich stakse zur Wasserstelle, neben der ein Tee auf mich wartet. Nach Art eines Prairiekaffees zieht er im Becher. Erst fülle ich die Flasche mit Wasser.

Weiter unten prüft jemand rücksichtslos die Stärke seiner Pferde, der Wind trägt ihren Schreie bis zu mir. Ich trinke gierig, zu schnell, zu lange. Japsend setze ich das Gefäß ab, beruhige mich, atme tief durch. Ich bin so lange Strecken nicht mehr gewohnt, meine Beine zittern. Ich schüttle sie abwechselnd, das hilft ein wenig.

Keine zehn Schritt von mir landet einer dieser verdammten Vögel und fängt mit seinem Gestöhn an. Verdammtes Taubengezücht … Moment mal … Ich stürze zu meiner Waffe, verfehle ihn, unverletzt flattert er auf. Eine Drohgebärde, er dreht ab und fliegt davon. Der Tee ist jetzt abgekühlt. Ich seihe ihn ab, ich bin kein Cowboy. Mal am Tee, mal am Wasser nippend, dehne ich meine eingerosteten Glieder. Allmählich trocknet der Schweiß.

Unten braust der mit den Pferden vorbei. Es ist gut jetzt. Ich weiß, dass das keine Pferde sind. Da kommt die nächste Herde, mindestens siebzig. Hallo, könnte das jetzt aufhören bitte? Mein Goth, mein Fenster geht halt auf eine verkehrsreiche … Schon wieder drei von diesen Vögeln, reflexartig greife ich nach der Waffe. Es gibt keine Waffe, das ist doch nur eine Plastikflasche, die Mohicain …

Ein Pfeil zischt dicht an meinem Kopf vorbei. Ich lasse mich fallen und krieche am Boden weiter, bis ich zwischen zwei Felsen in Deckung liege. Mein Gott, das hört einfach nicht auf! Ich war doch bloß auf dem Crosstrainer und hatte alle Fenster offen … Hinter den Felsen fällt der Boden steil ab. Ich schiebe ich mich langsam weiter vor, bis ich nach unten spähen kann. Dort steht ein Mohawk. Er ist unbewaffnet. Das ist nicht echt, das ist einfach nicht echt!

Ein schmerzhafter Aufprall nagelt meine rechte Hand an den Felsen. Ein Pfeil hat den Handrücken durchschlagen und sich tief in einen Riss im Gestein gebohrt. Hilfe! Es tut weh! Ich bin doch daheim, in meiner Wohnung … Der Mohawk schaut schweigend zu mir herauf, er hat sich nicht bewegt. Hinter mir scharren Pferde. Langsam wende ich den Kopf …

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