Köln, Role Play Convention 2012

15. Mai 2012

Eigentlich wollte ich ja in ein Hostel. Doch Mohicain meinte, früh aufzustehen sei kein Problem. Er hat mich nämlich hingefahren. Feine Sache, Übernachtung gespart – dachte ich. Nächstes Mal nehmen wir das Hostel. Der Schlaf, der Verräter, er floh mich nach knapp vier Stunden. Um sechs Uhr morgens endete die Nachtruhe, um sieben sind wir aufgebrochen. Während der ganzen Fahrt goss es wie aus Eimern, im Kastenwagen hörten wir jeden Tropfen.

Der Weg zur Kölnmesse ist gut ausgeschildert, ihre grünen Weg­weiser zeigen sich schon auf der A565. Im Stadtteil Deutz stehen die Messehallen, nicht weit vom Rhein, nördlich der Zugbrücke mit den mächtigen Bögen.1 Achtung, ein messena­hes Schild lauert knapp hinter einer Kurve, an dieser Ausfahrt sind wir glatt vorbeigerauscht. Außerdem hatten einige der Anzeigetafeln vom Verkehrsleitsystem beschlossen, ihre Informationen für sich zu behalten. Doch uns hielt das nicht auf.

Eintrittskarte für Mitwirkende bei der RLP 2012

Gegen zehn berappte ich neun Euro Park­gebühr. Wir tranken den Es­presso aus, legten etwas Geschmeide an und zo­gen zum Eingang Ost. Als Teilnehmerin am Lesewettbewerb von WerkZeugs hatte ich freien Eintritt, Mohicain habe ich eine Karte spendiert.2 Ab durch die Sperren, eine Rolltreppe hoch,3 dort verharrten Leute in zwei Reihen. Erst hielt ich das für ein Spiel. Doch sie standen wohl Spalier, das gefiel mir. Rechterhand lagen weitere Rolltreppen, oben Tumult: Eine brüllende Horde reckte die Waffen. Was das denn? – Nix wie hin!

Der Trupp sollte uns noch öfter begegnen, er zog in wechselnder Besetzung immer mal wieder durch die Halle.4 Vergeblich suchten wir den Stand von WerkZeugs. Schließlich habe ich dort angerufen, mich durchgefragt. Dann kam Mohicain auf die Idee, ins Programm­heft zu schauen. Et voilà, ein Lageplan – genau an dieser Ecke waren wir mehrmals vorbeigelaufen. Memo: Die Zahlen an den Säulen sind die Gangnummern. Die Standnummern befinden sich auf dem Boden, sie sind in den seltensten Fällen zu sehen.

Den Lesewettbewerb hat Tom Daut gewonnen, diesen Autor hätte auch ich gewählt. Der Schöpfer der Sinistra bot eine halbstündige Siegerlesung, aufgelockert durch Accessoires und Musikeinlagen. Meine persönliche Zweitplatzierung: Isa Theobald mit der Ge­schichte vom Grauen.
Auf Fotojagd bin ich im Anschluss nicht gegangen, viel zu müde. Auch mit den andern Autor/inn/en habe ich mich nicht mehr unterhalten – schade, aber es gab einfach zu viel zu sehen. Danach hatte ich ein wenig Zeit am WerkZeugs-Stand verbringen wollen. Doch gegen 16 Uhr war ich nicht mehr ausnahmefähig, wir mussten die Heimfahrt antreten. Nächstes Mal nehmen wir das Hostel.

-zigmal sind wir durch die Halle und immer wieder über den Markt gestiefelt, beide ein wenig neben der Spur wegen der kurzen Nacht und der lärmigen Anreise. Im Programm standen Lesungen, Vorführungen und Workshops. Wir sahen Tische mit Spielen, Spielkonsolen, und Spieletrailer auf Leinwänden zu erheblicher Soundentfaltung. Es gab Stände aller nur erdenklichen Gruppen – Verlage, Verbände, Merchandise und was nicht alles. Auch die Tolkiengesellschaft hatte Vertreter entsandt, und neben dem Lesecafé unterhielt Volk aus Star Wars einen Stützpunkt.

Dazwischen tummelten sich die Besucher, viele in Kostümen. Sehr unterhaltsam die Durchmischung der Genres. Steampunks ließen sich von mittelalterlich Gewan­deten fotografieren, flankiert von Militär. Darth Vader quatschte mit ‘ner Elfe. Tod überragte uns alle. Wikinger fläzten auf Bierbänken, Phantasiekrieger aller Zeitalter flanierten unter Kunstlicht und freiem Himmel. Dazwischen zwei Altgruftipunks, die allerdings waren echt.

Wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir den Tag in Köln vielleicht doch nur geträumt haben, vielleicht im Hostel. Aber woher kommen dann die Schnappschüsse?

  1. Hohenzollernbrücke, führt zum Hauptbahnhof. In Deutz gibt es eine Bahnstation. []
  2. Plus ein großzügig bemessenes Spritgeld, versteht sich, in seinem Falle Diesel. []
  3. Die sehen Sie auf dem letzten Foto. []
  4. Kurz vor der Heimfahrt ich daran vorbei bis zur Spitze getrabt und habe ihn gefilmt. Leider aber die Einstellung vermasselt – vier Stunden Schlaf sind wirklich wenig. []

Nähstubengeplauder

8. Mai 2012

Da war diese kleine Jacke mit dem kaputten Reißverschluss. Aber ohne Taschen …

Neues aus dem Hettenwerk

4. Mai 2012

Um zwölf Uhr mittags beginnt der Wettstreit im Lesecafé von WerkZeugs. High noon. Schreit diese Uhrzeit nicht geradezu nach Kampf? Kommen Sie am 06. Mai zur Role Play Convention in Köln. Das Hettenwerk tritt an gegen sieben Autor/inn/en. Voten Sie per Stimmzettel, gewinnen Sie einen WerkZeugs-Gutschein. Mehr Infos und Links auf meiner Homepage.

Lesehäppchen für zwischendurch: Gestern, fünf Minuten vor der Spülschicht, sind sie erschienen: Meine ersten beiden käuflich zu erwerbenden E-Book-Storys. Der Beginn eier Reihe, mehr dazu auf meiner Homepage. – Sie wollen sofort ran an die Geschichten? Derzeit gibt es sie noch exklusiv bei neobooks: Paul Fieker und Ausgespannt. Bald auch bei anderen Anbietern erhältlich.

Horizonterweiterung

25. April 2012

Bei so manchem Moselwinzer dürfte der 2012er Januar in die Familienchronik eingehen.1 Auch der Hettenwerksche Januar wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Habe ich doch vier Lesebühnen des Ruhrgebiets erkundet: In Dortmund und Bochum, in Gladbeck und Mülheim.

Bewohner der westlichen Randprovinzen treffen im Ruhrpott auf ein faszinierendes Konglomerat von Städten: Wer in Bochum zu weit fährt, kommt nach Essen. Oder nach Dortmund. Vielleicht sogar nach Gladbeck. Wem das in Trier passiert, der steht im Wald. Oder im Weinberg. Bisweilen sogar in der Mosel.2

Metropole Ruhr, Ruhr City, so bezeichnen Planer gern das mächtige Gebilde.3 Sehr viele Lesebühnen gibt es dort, jede auf andere Weise einzigartig und unverwechselbar. Auf zweien davon habe ich Gedichte gehört, vorgetragen von B. A. Moon (alias Armin Rudziok) und von Dirk Juschkat.

Gedichte? Nix wie weg! – dachte ich bisher. Skepsis begleitete mich auch zu den Vampirlesungen in Mülheim und Gladbeck. Blutsauger und Reime? Und dann auch noch gleich zwei Dichter? Auha.4 Wie es dann wirklich war, sei für den eiligen Leser zusammengefasst mit: „Huch …?!“

Huch. Denken Sie sich diesen Laut gehaucht, in der Tonlage „fas­ziniert-erstaunt“. Quasi etwas flachgedrückt, durch die Stimmkraft von B. A. Moon. Dieser Mann reißt uns mit in seine Todeserotik. Eine Vortragskunst, die Applaus herausfordert. Mit dem ARTelier Rudziok in Mülheim haben er und seine Gefährtin mehr als eine Lesebühne geschaffen.

Huch. Denken Sie sich diesen Laut gehaucht, in der Tonlage „fas­ziniert-erstaunt“. Verdüstert von den Schatten, die Dirk Juschkat mit sich trägt. Wo Moon brilliert, ist Juschkat unscheinbar – vermeintlich, denn seine Kunst greift auf anderer Ebene. Bei Juschkats Werken wirkt Beifall fast störend auf die Düsternis, in die er uns hüllt. Manche klatschen gewissermaßen, um sie zu vertreiben.

Gemeinsam sind Juschkat und Moon imstande, empfindsamere Ge­müter auszuhebeln. Lauschen Sie nicht dem Juschkatdunkel, wenn ein Nocturnihumanoider Sie an die Suizidabteilung empfohlen hat. Womöglich wäre es Ihr Abgesang.

Richtig, ein Insiderscherz. Damit nicht nur Eingeweihte schmunzeln: Das Moonsche Licht be­scheint Nachtgestalten der urtümlichen Art, keine zeitgenössischen Weicheivampire.5 Nocturnihumanoiden begegnen Sie in Der Antrag, das ist eine Kurzgeschichte aus Frühling, Sommer, Herbst und Blut: Eine Anthologie über die Kinder der Nacht und ihre dunkle Welt.6

Der Insider ist erst halb erklärt, noch fehlt der Abgesang. Den finden Sie in Dirk Juschkats Gedichtesammlung Abgebogen.
Dirk Juschkat spielt uns keine Rolle vor, er setzt die eigene Düsternis in Verse um. Das macht sie für uns erfassbar. Juschkat hat für sich die Bezeichnung Depressionslyriker geprägt. Er bloggt bei MySpace als ashiftedmind.

Eiswein von der Mosel ist ein kostenintensiver Genuss.7 Dirk Juschkat (Gladbeck) und B. A. Moon (Mülheim an der Ruhr) lesen bisweilen noch bei freiem Eintritt:

Dirk Juschkat: Lebenslauf. Aufgenommen im Gladbecker Café Stilbruch.

B. A. Moon: Frühling, Sommer, Herbst und Blut. Das Intro zeigt einen Abglanz8 von Moons Vortragskunst.

  1. So spät wie seit Jahrzehnten nicht hat er seinen Eiswein gelesen. []
  2. Leider kein Scherz: Juni 2007, Dezember 2010, Februar 2012. Und diese Links sind nur eine Auswahl. []
  3. Die Ruhris selbst fühlen sich durch den Slang und pottspezifische Eigenheiten vereint. Ansonsten definieren sie sich über ihre Wohn- und/oder Herkunftsstadt. []
  4. Immerhin war nicht mit piepsigen Frauenstimmchen zu rechnen. []
  5. Mit Autoren dieses Genres rechnet Harry Michael Liedtke ab, aber das ist eine andere Geschichte. Sie heißt “Fremder ohne Namen”. []
  6. Schönes Zusammenwirken von Gedichten, Kurzgeschichten und Illustrationen. Warum der Autor zwei Namen trägt, erhellt er im Abspann. []
  7. Einst habe ich an einer Weinprobe teilgenommen. Zum Schluss kredenzte der Winzer uns Eiswein – süß, schwer und hochprozentig. Whoo. []
  8. Schauspieler sind m.E. anwesender als andere Menschen. Wir nehmen tatsächlich zwei wahr, die gespielte Figur und ihren Transporteur im Hintergrund. Viele von uns spüren jene Kraft, das Können, die Hingabe meinethalben. Das ist es, was uns bei Liveauftritten so mitreißt, und diese Überpräsenz geht bei Aufzeichnungen zum Teil verloren. []

Göbenstraße: Baum weg

20. April 2012

Trier, Göbenstraße, halb sechs Uhr abends: Wo sich einst Café Lübke und Christophorus-Apotheke befanden, gibt es bald auch keinen Baum mehr. Anbei zwei im Gehen aufgenommene Schnappschüsse.1

Im Sommer 2007 sah es dort noch anders aus. Der Platz ist erst vor wenigen Jahren neu gestaltet worden. Warum der alte Baum weichen musste, ist mir nicht bekannt.

Update: Mit einem Erscheinungsdatum Pflanztermin kann ich nicht dienen, aber lange steht er noch nicht (Foto vom 05. Mai):
Neupflanzung anstelle der - glaube ich - ueber 50 Jahre alten Platane

  1. Vorsicht, schlechte Qualität! []

GEZ-Zwangssteuer für Fernsehhasser? Wehrt Euch! (Update)

16. April 2012

Meine Freunde in den sozialen Netzwerken kennen das Thema vermutlich schon: Ab 2013 wird jeder Haushalt zum Zahlen der GEZ-Gebühr gezwungen. Nachzulesen z.B. bei welt.de. Ob in besagtem Haushalt überhaupt kein Empfangsgerät vorhanden ist oder x Fernseher und y Radios betrieben werden, spielt keine Rolle. So steht es in einem Gesetz namens Rundfunkänderungsstaats­vertrag, berichtet unter anderem ard.de.

Ab Januar 2013 will uns dieser Vertrag zwingen, 17,98 pro Monat zu zahlen. Für bekennende Fernsehhasser wie mich ist das eine saftige Verdreifachung der bisher entrichteten Gebühren.1 Gegenleistung: NICHTS.2 Interessant auch das Zitat bei golem.de, laut dem der Beitrag eine Zeitlang konstant bleiben wird. Sprich: Spätestens ab 2014 zahlen wir mehr.

Bisher hatte ich kein Wort für diese Neuerung. Betrug oder Diebstahl passen nicht recht, Abzocke gefällt mir nicht, Vertrag trifft es erst recht nicht. Ein Verfassungsrechtler nennt es verfassungswidrig. Das Goethe-Institut äußert sich ebenfalls mit leiser Kritik.

Es gibt sicher noch mehr solche Stimmen, doch was nutzen sie mir? Ich will mich wehren gegen diese Zwangsgebühr! Doch meine Fragen in den sozialen Netzwerken stoßen auf null Resonanz. Alle, die ich damit erreiche, sehen entweder sowieso fern. Oder sie sind so wohlhabend, dass ihnen rund 18 Euro im Monat schlicht gleichgültig sind. Genial, Leute, genießt es! Ich muss drei Stunden spülen, um so viel Geld zu verdienen. Es muss doch viele geben, denen es ähnlich geht? Seid Ihr denn alle Fernsehfans?

Da kommt dieser Staatsvertrag daher und will mir das Geld aus der Tasche ziehen für etwas, das ich ablehne. Fast zwanzig Euro im Monat, die geradewegs in den Müll wandern. Ich bin wütend! Wie kann mich wehren? – Ein Facebookfreund hat diesen Link entdeckt: Klagen anstatt zahlen – Ab 2013 für kleines Geld. Auf der Seite online-boykott.de wird erklärt, wie Sie sich ab 2013 gegen die neue Zwangssteuer wehren können. Hervorragend! Zum Diskutieren gibt es dort auch ein Forum.3 Bei Interesse bitte weiterverbreiten.

P.S.: Neueste Erkenntnis – endlich weiß ich, was mich an der GEZ-Zwangssteuer so krank macht: Erst wird etwas ungefragt in die Welt hinausgepustet, auf dass alle es haben können.4 Das Fernsehprogramm bekommt jeder, der sich ein Empfangsgerät zulegt. Dann aber soll dafür zahlen, auch wer den Mist nicht haben will. Falscher Ansatz!

P.P.S.: Ich habe keine Ahnung, ob der im Link beschriebene Weg zum Erfolg führt. Ich spreche hier keine Empfehlung aus, gebe lediglich den Link weiter. Sollte ich die Sache selbst ausprobieren (was ich derzeit für sehr wahrscheinlich halte), werde ich vermutlich darüber bloggen.

Mehr dazu:

  1. Ja, ich zahle für mein Radio. Schon immer, derzeit sind es 17,28 € im Vierteljahr. []
  2. Qualitätssteigerung? Haha! Solche Märchen glaube ich nicht. []
  3. Bisher habe ich manhels Zeit noch nicht hineingeschaut. []
  4. Beim Radio sehe ich’s ein, sowas ist gut bei Notfällen. []

Trier. Ostern. Tanzverbot?

3. April 2012

- Update IV: Flashmob gegen Tanzverbot (siehe unten) -
- Update III: Ein-Frau-Flashmob (siehe unten) -
- Update II: Vorsicht Kamera (siehe unten) -
Am Karfreitag werde ich in einer Küche stehen und schmutziges Geschirr in sauberes verwandeln. Kein göttlicher Akt, ich bin bloß Spülerin. Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu las­sen: Diese Arbeit habe ich mir selbst ausgesucht. Niemand zwingt mich dazu. Spülen am Karfreitag, darauf freue ich mich schon.

Einige der buntverschmierten Kuchenteller werden von gläubigen Christ/inn/en stammen, die sich womöglich sogar für das kirchliche Tanz­verbot stark machen. Dann aber fein essen gehen, womit sie im Off etwas in Bewegung setzen: Bei Hochbetrieb gleicht die Arbeit unseres Küchenteams einer Ballettchoreografie – mit Personal auf Speed.

Besagte Christen verschließen die Augen davor. Keine Tanzbe­wegungen am heiligen Karfreitag!1 Überhaupt, wer arbeitet denn an diesem höchstwichtigen Feiertag?2 Niemand natürlich, schließlich besteht Trier zu einhundert satten Prozent aus gläubigen3 Christen.

EINHUNDERTTAUSEND VERLANGEN DAS TANZVERBOT!

Ist es nicht peinlich, in einer derart verklemmten Stadt zu wohnen? So ohne Weiteres käme ich nicht auf die Idee, am Freitag über den Domfreihof zu tanzen. Außer, wenn mir gerade danach ist. Aus Lebensfreude. Oder, weil mir ein menschenverachtendes Macht­konstrukt vorschreiben will, wie ich mich bewege.4

Andere Stadtbewohner zeigen, was sie davon halten: Am Karfreitag tanzt Köln auf der Domplatte. (Facebook-VeranstaltungFacebookseite) Hinfahren klingt cool, doch es gleicht einer Flucht. Protest in Köln, was nutzt uns der hier?5 Lasst uns vorm eigenen Dom fröhlich sein! Solange wir nicht unsere Meinung zeigen, SIND WIR dieses peinliche Trier, das sich unterm machtgeilen Diktat der Kirche duckt.

Ein Event wie die Domplattenparty lässt sich nicht mal eben so organisieren. Vermutlich wissen viele Trierer/inn/en nicht mal, dass bei uns ein extra strenges Tanzverbot gilt.6 Hier müssten so viele Leute tanzen, dass Polizei und Ordnungsamt mit ihren Strafen nicht hinterherkommen.7 In der Millionenstadt ist das machbar …

… in der Moselmetropole bekommen wir vielleicht einen Flashmob hin. Lasst uns eine Zeit vereinbaren. Und dann kommt zum Tanz. Leise, ohne Musik! Wir wollen doch die paar praktizierenden Christen, die es hier noch geben mag, nicht stören. Im Übrigen werden die wohl kaum auf dem Domfreihof abhängen. Und: Wetten, dass es auch Christen gibt, die mit uns tanzen werden?8

Ich traure nicht am angeblichen Todestag einer uralten Märchenfigur.9 Vermutlich werde ich vor oder nach der Schicht ein paar öffentliche Tanzschritte wagen.10 Wäre schön, ich müsste es nicht allein tun. Und – würde, wer sich nicht zu tanzen traut, bitte sammeln? Damit wir gegebenenfalls die Ordnungsstrafe bezahlen können.

Update: Auf dem Weg zur Schicht hotte ich über’s Pflaster. Wer Lust hat, kommt gucken, ein Spuk von wenigen Minuten. Aber nein, das ist doch kein Aufruf. Der wäre ja auch verboten! Aber nein, ich fordere niemanden auf, mitzutanzen. Das wäre dann ja die Quadratur des Verbots! – Muss mir noch überlegen, wie ich mit Rucksack & Stabilschuhwerk tanzartige Bewegungen hinkriege, die als solche zu erkennen sind.

Mehr dazu:

P.S.: Für einige der Links danke ich meinen Twitterfreunden

Update II: Laut unserer Tageszeitung hat die Polizei heute (Mittwoch, 04. April 2012) am Domfreihof eine von vier Kameras installiert. (Update: Inzwischen ist eine Langfassung des Artikels erschienen.) Im Artikel steht, sie sei einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb. Hab’ trotzdem keine Lust, beim Tanzen gefilmt zu werden. Vielleicht hüpfe ich woanders, keine Ahnung – ein Flashmob wird das hier sowieso nicht mehr.

Update III: Heute (“Kar”freitag, 06. April 2012) auf dem Weg zur Arbeit hat mich denn doch der Hafer gestochen. Auf dem Domfreihof bin ich spontan um diese liegende runde Steinskulptur mit dem Jesushemd gehüpft, die liegt unter den kastrierten Dachschnittplatanen. Rechtsherum und linksherum und nochmal rechtsherum, und als Finale um einen kleinen Kalkstein und zurück. Rhythmisch knirschend über den Kalksplitt, mit wehendem Schal in der Hand, weil mir darüber recht warm geworden ist. Wenn’s sowas wie einen Jesus gibt, hat der/die/das sich mit Sicherheit beömmelt bei dem Anblick.

Jetzt warte ich, ob ein Video auftaucht. :]

Update IV:

  1. Vorsicht beim Sex, Leute! Gefährliche Rhythmik! []
  2. Wem ist der wichtig? []
  3. praktizierenden, engstirnigen, ängstlichen []
  4. Sicher wissen Sie, dass diese Institution homosexuelle Menschen noch immer als „abartig“ bezeichnet? Nazipropaganda lässt grüßen, während Kirchenmänner Kinder missbrauchen. Und jetzt verwechseln Sie bitte nicht Pädophilie mit Homosexualität. []
  5. Köln liegt nicht mal im selben Bundesland wie Trier. []
  6. Alt, aber nicht gut. Unzeitgemäß, überholt und doch krampfhaft bewahrt. []
  7. Ja, die Stadt setzt dieses Verbot der Kirche um. Mir ein Rätsel, wieso die Kirche der Stadt etwas zu sagen hat, aber es ist derzeit in den Medien nachzulesen. []
  8. Wetten, dass andere Menschen unabhängig vom Glauben gegen das Tanzen wettern werden? Weil sie zur neidischen und bornierten Sorte gehören? []
  9. Wem fiele es ein, um Schneewittchen zu trauern? Auch sie ist wiederauferstanden. []
  10. Im höchstunfeierlichen Spülerdress. []

Herrmann/Nommensen: Aller Anfang ist Mord

30. März 2012

Buchcover, Beschreibung im Text Das Cover von Aller Anfang ist Mord zeigt Blut vor einer verschneiten Parkbank. Die Form des Sitzmöbels gemahnt an einen Lustpark,1 offenbar steht eine Reihe dieser Bänke im Wald. Merkwürdige Kombi­nation, dazu das Rot als einzige Farbe … Wie um zu sagen: Egal, weche Kulisse, es wird immer blutig enden.

Aller Anfang ist Mord ist eine kleine, hochkarätige Geschich­tensammlung: “Spannend, gru­selig, dramatisch oder humorvoll” heißt es bei Amazon. Auf 46 Seiten bietet die Anthologie je zwei Werke vom Krimi & Thriller – Ehepaar Jutta Maria Herrmann und Thomas Nommensen.

Im E-Book-Format, für den Kindle,2 das ist ein sehr bekannter E-Book-Reader. Ich besitze keinen, musste am Notebook lesen, dafür gibt es kostenlose Programme. Für den Fall, dass Sie sowas noch nie gesehen haben: Weiter unten habe ich ein paar Screenshots angehängt. – Ja, ich halte lieber ein Buch in der Hand als am Notebook zu lesen. Aber diese Geschichten sind so spannend, sie lassen die Unbequemlichkeiten einer mangelhaften Leseausrüstung vergessen:

Der Unberührbare (Nommensen) zeigt uns die Obsession eines Mörders. Wer von ihm abhängig ist, und welche Verantwortung er außerdem trägt. Und wer ihm in die Quere kommen will … Kurzzusammenfassung: Uach, genial! Thrilling mit Schlusspunkt.

Ein Banküberfall ist Thema von Va banque (Herrmann). Das im Cover versprochene „blutig“ gilt hier für die Amateure, die ihn durchführen. Wer überfällt da eine Bank? Einer hat zugesehen, der staunt Bauklötze. Kurz gesagt: Sehr geil. :D

Der Tochter-Mutter-Konflikt in Morgen ist ein anderer Tag (Herrmann) wirkt sehr eindringlich, ein krasser Gegensatz zur witzigen Story davor. Mit bösem, zugegeben befriedigendem Ende – es ist ja Gothseidank nur eine Geschichte …

Alte Schuld, keine Schuld … kumuliertes Elend. Wohin mit den Rachegefühlen am Ende eines zerstörten Lebens? Ein Seniorenheim ist Schauplatz von Am Ende der Winter (Nommensen). Die Opfer menschlicher Fahrlässigkeit agieren, sind Sympathieträger, das Geschehen lässt nachdenklich zurück.3 Schön, wie das Schlussbild die Anfangsszene aufgreift und tragisch verkehrt.

Fazit: Hervorragende Unterhaltung. Zweimal heftiger Thrill, dazwischen etwas zum Lachen, Spannung entspannend. Zum Abschluss die leicht skurrile Episode im Seniorenheim. Irritierend war einzig der Preis: Für diese vier zum Teil preisgekrönten Geschichten zahlen Sie derzeit nur 0,99 Cent.

***

Zur Präsentation als E-Book: Wer einen E-Book-Reader nutzt, der weiß über sowas Bescheid. Wie gesagt besitze ich kein solches Gerät. Mein Notebook ist überdies klein und alt, doch Installation und Nutzung der Programme funktionierten trotzdem problemlos. Zur Verfügung standen mir die Formate .epub für Adobe Digital Editions oder .pdf für den Adobe Reader.4

Eine Buchdoppelseite im Leseprogramm Adobe Reader
Der Adobe Reader mit Doppelseitenansicht

Große Einzelseite im selben Leseprogramm
Stattdessen können Sie auch zoomen5

Dasselbe mit zusaetzlicher Seitennavigation links, eine Minivorschau aller vorhandenen Buchseiten
… oder die Seitenvorschau dazuschalten.

Adobe Digital Editions ist etwas umständlicher via Anmeldung zu erlangen, dafür finde ich es aber auch komfortabler. Hier die Doppelseiten-Ansicht plus links die Navigationsleiste mit Links zu den einzelnen Geschichten.

Das verwischte Erscheinungsbild habe ich erzeugt, um keine kostenlosen Leseproben von den Werken anderer zu verbreiten.


Natürlich können Sie hier ebenfalls zoomen …


… oder für mehr Lesefläche die Navigation ausblenden.

  1. Nein, nichts Unanständiges. Lustpark heißen diese Designer-Landschäftchen, die temporäre Wohnsitze Hochwohlgeborener enthalten. []
  2. Spricht sich wie das Kindl im Christkindlmarkt []
  3. Hier fehlt mir in der Tat das langsame Zuklappen eines echten Buches. Habe ersatzweise ein wenig herumgescrollt. []
  4. Inzwischen besitze ich Kindle for PC, auch das läuft auf altem Laptop. Einmal kostenlos installiert und angemeldet, ist der Erwerb von E-Books sehr einfach. []
  5. vergrößern []

Durch die Grüne Hölle

27. März 2012

Bollendorf liegt an der Sauer, dieser Moselzufluss bildet die Grenze zu Luxemburg. Mitte April 2011 sind wir durch die mit Treppen bestückten Felsformationen des Rundweges “Grüne Hölle”1 gestiefelt.

  1. Der Link bietet einen Film zur Tour []

KGB Trier Spontankurzbericht

24. März 2012

Yeah, Leute. Es ist spät, und ich habe morgen schon wieder Spülschicht. Trotzdem bin ich zur Ostalleetanke gerannt und hab’ mir’n Alt gekauft. Zum Feiern. Weil “Kunst gegen Bares” so cool war.

Nun hab’ ich ja schon ein paar Lesungen gesehen. Im Moment bin ich mir nicht sicher, welche davon die coolste war – “Von dunklen Schatten“, die Vampirlesung im ARTelier Rudziok zu Mülheim an der Ruhr.1 Oder KGB im Trierer Broadway-Kino in der Paulinstraße. Mit genialem Publikum und höchst sympathischem Veranstalterteam.

Okay, KGB ist kein Autorentreffen. Hat aber entschieden den Heimvorteil.2 Wir sahen musikalische Live-Acts mit Gitarre, davon gefiel mir Rami Hattab am besten (Yeah!!). Gefolgt von Madame Hau-mich-blau (Trier).3 Außerdem sehr genialen Bauchtanz (Noelany, Trier) und den Zauberer Christian Lavey (Luxemburg. Faszinierend.) Und meinen Landsmann Klinsch, einen herrlichen (klassischen) Clown, der mit seiner Gefährtin hoffentlich noch gut nach Hause kommt.

Leider kann ich morgen keinen Nachbericht schreiben, muss spülen. Vielleicht gibt’s demnächst eine Version mit mehr Links zu den Künstlern, die mir am besten gefallen haben. – Die Siegerinnen, die Kapitalistenschweine des Monats März :D – rangierten, sorry, Mädels – auf meinem persönlichen Ranglistenplatz acht. Mit weiblichem Gesang kann ich nun mal nichts anfangen. Außer vielleicht mit dem von Madame Hau-mich-blau.

Mehr dazu:

  1. Zu der noch eine Nachbetrachtung auf Halde liegt in auf den Weiten meiner Festplatte []
  2. Fünf Minuten Fußweg statt fünf Stunden Zugfahrt. Zwei Freunde von mir sind gekommen. []
  3. Mein persönlicher Platz zwei im Musikbereich, persönlicher Gesamtplatz fünf. []

Inga Hetten liest bei Kunst-gegen-Bares (Trier)

21. März 2012

Kunst gegen Bares im Trierer Kino Kulturzentrum Broadway in der Paulinstraße 18. Jeder bringt zehn Minuten Unterhaltung mit. Das Publikum sagt via Münzeinwurf Bescheid, wen es am meisten mochte. Bin schon gespannt, wie das abläuft.

Beginn: 20:30, Einlass ab 20:00
Eintritt: 4,- / 5,-
Auch dabei: Inga Hetten
Story: Die Wurgel im Hotel

Autorengespräche

20. März 2012

Autor H: “Der Verlag hat gemeint: Gute Story, aber da muss mehr Sex rein, mehr Erotik.”
Autor D: “Sex sells.”
Autorin I: “So isses.”
Autor H: “Erotik ist nicht mein Ding, aber der Verlag besteht drauf. Also hab’ ich mir ein paar Ratgeber gekauft, …”
Autorin I: “Ratgeber …!” [prust-gacker-kreisch]
Autor D (gluckst): “Du hast doch Fantasie?!” (lacht)
Autor H (zuckt die Schultern): “… hat aber nichts genutzt. Erotik ist eben nicht mein Ding.”

Lesung: Supporting Act für Klaus Märkert

14. März 2012

Heute in der Fotoecke: Impressionen der Lesung “Dunkle Gestalten, schwarzer Humor”. Klaus Märkerts neuer Roman Requiem für Pac-Man. Der große Mann mit kleinem Eis, auch bekannt als Harry Michael Liedtke.

Die fünf bekennenden und zehn incognito operierenden Fans meines Weblogs erinnern sich sicher an die Bücherbeute mit Werken von Märkert und Liedtke:

(Sorry für etwaige Unschärfen in den Fotos. Sie wissen schon – das Hettensche Sehvermögen. Sorry für etwaige Unschärfen in den Bildbeschreibungen. Sie wissen schon – das dunkle Hefeweizen.)

Die Statistik zum Event

11. März 2012

Es war einmal ein friedlich vor sich hindümpelndes Weblog. Dann ist ein Kommentator blöd geworden, in einigen Blogbeiträgen wurde nämlich über seine Betrügereien berichtet. (Jetzt zu finden im Verweser-Weblog.)

Daraufhin hat die Bloggerin für diese Beiträge mal so richtig Werbung gemacht. Und nun raten Sie mal, an welchem Tag der Statistik das war:

Blogstatistik mit dem üblichen Auf und Ab, ploetzlich vervierfachte Zugriffszahlen

Inga Hetten liest: Supporting Act

5. März 2012

Es war ein mal ein Organisator, der fand, Inga Hetten ergänze sich gut zum Thema Dunkle Gestalten, schwarzer Humor. Deshalb darf ich am 12. März im Café Stilbruch zu Gladbeck dabeisein. Als supporting act, als Vorband quasi, zum Einheizen bei der Lesung von Klaus Märkert.

Geben Sie in einen Ruhrgebietler die Begriffe Schwarze Szene, Zwischenfall, DJ, Autor und Schementhemen Lesebühne ein, sollte er Klaus Märkert als Ergebnis liefern. Funktioniert auch in anderen Regionen. Natürlich nicht immer, wer kennt schon alle Stars. Ich fernsehhassende Dunkelgestalt wusste zum Beispiel nicht, wer Tommy Krappweis ist. Auch der kommt ins Stilbruch, aber das ist eine andere Geschichte.

Erst kommt der zwölfte März, und der steht im Zeichen des schwarzen Humors. Klaus Märkert liest Storys aus Der Tag braucht das Licht – Ich nicht! und Auszüge aus seinem zweiten Roman Requiem für Pac-Man. Erschienen im Februar als Nachfolger von Hab Sonne, Kurzbeschreibung: Popliteratur mit Nachthumor. Hört sich das nicht gut an – Nachthumor?

Ich werde den Anfang von Derangiert durch die Stadt darbieten. Kurzbeschreibung: Ein Hauch Schwarze Szene, ein Häppchen Erotik – und eine Bankers­gattin auf Abwegen. Mehr Beschreibung finden Sie im Hettenwinkel vom Leo-Aspekt. Bei Neobooks.com erinnert sich der eine oder andere vielleicht noch an das Cover:

Die Story ist Teil der Anthologie Zeilenumbruch. Ein E-Book mit elf Geschichten, in denen geschriebene Zeilen die Welt des jeweiligen Protagonisten verändern.