Eigentlich wollte ich ja in ein Hostel. Doch Mohicain meinte, früh aufzustehen sei kein Problem. Er hat mich nämlich hingefahren. Feine Sache, Übernachtung gespart – dachte ich. Nächstes Mal nehmen wir das Hostel. Der Schlaf, der Verräter, er floh mich nach knapp vier Stunden. Um sechs Uhr morgens endete die Nachtruhe, um sieben sind wir aufgebrochen. Während der ganzen Fahrt goss es wie aus Eimern, im Kastenwagen hörten wir jeden Tropfen.
Der Weg zur Kölnmesse ist gut ausgeschildert, ihre grünen Wegweiser zeigen sich schon auf der A565. Im Stadtteil Deutz stehen die Messehallen, nicht weit vom Rhein, nördlich der Zugbrücke mit den mächtigen Bögen.1 Achtung, ein messenahes Schild lauert knapp hinter einer Kurve, an dieser Ausfahrt sind wir glatt vorbeigerauscht. Außerdem hatten einige der Anzeigetafeln vom Verkehrsleitsystem beschlossen, ihre Informationen für sich zu behalten. Doch uns hielt das nicht auf.

Gegen zehn berappte ich neun Euro Parkgebühr. Wir tranken den Espresso aus, legten etwas Geschmeide an und zogen zum Eingang Ost. Als Teilnehmerin am Lesewettbewerb von WerkZeugs hatte ich freien Eintritt, Mohicain habe ich eine Karte spendiert.2 Ab durch die Sperren, eine Rolltreppe hoch,3 dort verharrten Leute in zwei Reihen. Erst hielt ich das für ein Spiel. Doch sie standen wohl Spalier, das gefiel mir. Rechterhand lagen weitere Rolltreppen, oben Tumult: Eine brüllende Horde reckte die Waffen. Was das denn? – Nix wie hin!
Der Trupp sollte uns noch öfter begegnen, er zog in wechselnder Besetzung immer mal wieder durch die Halle.4 Vergeblich suchten wir den Stand von WerkZeugs. Schließlich habe ich dort angerufen, mich durchgefragt. Dann kam Mohicain auf die Idee, ins Programmheft zu schauen. Et voilà, ein Lageplan – genau an dieser Ecke waren wir mehrmals vorbeigelaufen. Memo: Die Zahlen an den Säulen sind die Gangnummern. Die Standnummern befinden sich auf dem Boden, sie sind in den seltensten Fällen zu sehen.
Den Lesewettbewerb hat Tom Daut gewonnen, diesen Autor hätte auch ich gewählt. Der Schöpfer der Sinistra bot eine halbstündige Siegerlesung, aufgelockert durch Accessoires und Musikeinlagen. Meine persönliche Zweitplatzierung: Isa Theobald mit der Geschichte vom Grauen.
Auf Fotojagd bin ich im Anschluss nicht gegangen, viel zu müde. Auch mit den andern Autor/inn/en habe ich mich nicht mehr unterhalten – schade, aber es gab einfach zu viel zu sehen. Danach hatte ich ein wenig Zeit am WerkZeugs-Stand verbringen wollen. Doch gegen 16 Uhr war ich nicht mehr ausnahmefähig, wir mussten die Heimfahrt antreten. Nächstes Mal nehmen wir das Hostel.
-zigmal sind wir durch die Halle und immer wieder über den Markt gestiefelt, beide ein wenig neben der Spur wegen der kurzen Nacht und der lärmigen Anreise. Im Programm standen Lesungen, Vorführungen und Workshops. Wir sahen Tische mit Spielen, Spielkonsolen, und Spieletrailer auf Leinwänden zu erheblicher Soundentfaltung. Es gab Stände aller nur erdenklichen Gruppen – Verlage, Verbände, Merchandise und was nicht alles. Auch die Tolkiengesellschaft hatte Vertreter entsandt, und neben dem Lesecafé unterhielt Volk aus Star Wars einen Stützpunkt.
Dazwischen tummelten sich die Besucher, viele in Kostümen. Sehr unterhaltsam die Durchmischung der Genres. Steampunks ließen sich von mittelalterlich Gewandeten fotografieren, flankiert von Militär. Darth Vader quatschte mit ‘ner Elfe. Tod überragte uns alle. Wikinger fläzten auf Bierbänken, Phantasiekrieger aller Zeitalter flanierten unter Kunstlicht und freiem Himmel. Dazwischen zwei Altgruftipunks, die allerdings waren echt.
Wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir den Tag in Köln vielleicht doch nur geträumt haben, vielleicht im Hostel. Aber woher kommen dann die Schnappschüsse?
- Hohenzollernbrücke, führt zum Hauptbahnhof. In Deutz gibt es eine Bahnstation. [↩]
- Plus ein großzügig bemessenes Spritgeld, versteht sich, in seinem Falle Diesel. [↩]
- Die sehen Sie auf dem letzten Foto. [↩]
- Kurz vor der Heimfahrt ich daran vorbei bis zur Spitze getrabt und habe ihn gefilmt. Leider aber die Einstellung vermasselt – vier Stunden Schlaf sind wirklich wenig. [↩]













