| Schwachsinnige Seiten | Trier 05/07 |
| Ratgeber Dach & Wohnen | |
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| Scheuche versus Aquator | |
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Rucke di guck! Nicht jeder liebt die Nachfahren von 'Columba livia'. Kinder versuchen gern, sie zu füttern oder wahlweise plattzutreten, wobei letztere Entscheidung vielleicht von kindlicher Grausamkeit, bestimmt aber von kindlicher Intelligenz zeugt: Den Schuh kratzt Mutti wieder sauber, die urbane Ökologie ist von einem Schädling befreit. Leider treffen die Bälger so selten. Mutti mag es anders sehen, aber für die Stadt ist das ärgerlich. Mitunter durchsägt ein Fahrradreifen eines der dümmlicheren Tiere, was aber eher dem Zufall als der zielgerichteten Bekämpfung zuzurechnen ist. "Bekämpfung?" erregt sich der Tierfreund, "Schädlinge?!" Doch das ist eine andere Geschichte. Hier geht es um Tauben, sogenannte Dach, Straßen- oder Stadttauben, Luftratten auch genannt. Obwohl, Frau Wurgel ist auch so eine Tierfreundin. Kennen Sie Frau Wurgel? Die alte Dame hat mir jüngst geschildert, wie sie vor vielen Jahren allnächtlich durch die Straßen der Stadt gestreift ist, um junge Männer zu jagen. Von der Stadt ausgesandte Männer, die im vermeintlichen Schutz der Dunkelheit Taubenköder auslegen mussten. Frau Wurgel hat all diese Männer eigenhändig mit dem Krückstock erschlagen, wenn man ihr Glauben schenken darf. Vielleicht haben einige auch vor Schreck den Geist aufgegeben, wenn sich Frau Wurgel unvermittelt auf sie gestürzt hat: Mit Schlachtgeschrei, ein knubbeliger schwarzer Schatten, die fürchterliche Waffe über dem Dutt schwingend. Sie verweilt noch heute genüsslich bei dem Detail, dass ihr Krückstock damals noch diese fiesen Dornen ... Niemand hat je gewagt, gegen Frau Wurgel anzutreten. (Sie hat auch auf keinen Köder angesprochen.) Die Folgen tragen wir heute: Eine Taubenplage. Die städtische Dachlandschaft ist ihr Tummelplatz, wer darunter wohnt, weiß ein Lied davon zu singen. Aber kein "Rucke di guck!" und auch keins von der weißen Taube. Mitnichten! Die meisten Tauben sind weit davon entfernt, friedenstiftende Zweige zu überreichen oder blutigen Verrat im Schuh anzuprangern. Die bringen Ihnen keine Brieflein fein im Ring am Bein. Weiß sind sie übrigens auch nicht, sie tragen ihre restweiße Musterung auf grau oder braun getöntem Federkleid. Symbol ade, da hilft kein Bleichmittel mehr. Die moderne Stadttaube von heute ist ein dröges Viech, sie hat das ganze Jahr über nur eins im Ruckekopf: Mehr Tauben machen. Offenbar waren weder Felsen-, noch Haus- oder Brieftaube dazu bereit, anständige Eigenschaften in ihre Nachkommen zu investieren. Diese Spezies balzt, kämpft und taubt (um es einmal so zu nennen), worin sich ihre sinnvolleren Aktivitäten bereits erschöpfen. Nebenher verbreitet sie ekliges Gefiez und zerkackt die Porta Nigra. Ihr angeblich so anheimelndes Gurren beschränkt sich meist auf den Vokal 'u', laut gestöhnt. Immer wieder. Stundenlang. Der Effekt ähnelt dem eines tropfenden Wasserhahns in der Stille: Der sich das anhören muß, fällt schließlich dem Wahnsinn anheim. Durch Phantasie und Vielfalt zeichnen sich nicht die Tauben aus, sondern die Methoden. Letztere wenden durchgedrehte Dachgeschoss-Städter zur Bekämpfung ersterer an. Da wäre zum Beispiel das Vergrämen zu nennen: Das besorgen Fachfirmen für ihre geplagte Klientel. Es ist nicht mit dem Verkramen zu verwechseln! (Eine beliebte Methode, überzählige Dinge zu entsorgen - effizient, aber aufgrund der aufwendigen Einzelbetreuung für die Anwendung gegen Tauben leider zu aufwendig.) |
Der Nachteil: Vergrämen ist bisweilen zu subtil für so dämliche Tiere, eine Taube setzt sich eher unverdrossen zwischen Stahlspitzen, als sich darüber zu grämen. Drahtnetze oder Stromstöße werden zwar mit Erfolg deutlicher, sind aber für ein ganz normales Hausdach nicht recht geeignet. Stellen Sie sich die riesigen Anti-Volièren vor. Und die bedauernswerten Dachdecker ...! Privat kämpfende DG-Städter bringen an Dachgauben immer wieder gern die Taubenscheuche zum Einsatz. Die kann von flatternden Stoffstreifen über blitzend baumelnde Spiegel bis hin zu witzig gestalteten Halteverbotsschildern alle erdenklichen Formen annehmen. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie sind völlig nutzlos. Die Tauben gucken sich das eine Zeitlang aus der Ferne an, wenig später sind sie wieder da. Und balzen dreist im Schatten der Scheuche. Die der Scheuchentechnik verwandte Konkurrenzmethode krankt an ähnlichen Mängeln. Der Gewöhnungseffekt ist bei beiden zu hoch, ob Sie nun Ihren alten Plüschtiger oder einen ausgestopften Lämmergeier auf dem Dach montieren. (Wäre auch schade um den Geier, der ist eh schon so selten.) Immerhin ist diese Methode besonders nachbarfreundlich: Das Tier auf dem Dach sorgt für beständige Erheiterung, stört dabei aber niemanden, im Gegensatz zu den blendenden Reflexen eines Spiegels. Die plötzliche Beschallung
wiederum kann schmerzhaft sein und sogar zu
bleibenden Schäden
führen. Mit laut erschallender
Musik hat sie nichts zu tun, die ist
Sache des Nervbolzens von nebenan. Gemeint sind vielmehr das
Bollern und das
Prollen. Voll im Trend liegt derzeit die innovative Eliminierung mittels Aquatechnik. Sie macht allerdings Investitionen in eine entsprechende Ausrüstung notwendig, auch der Umgang mit einem sogenannten 'Aquator' muss erlernt werden. Das Prinzip ist einfach, zur Veranschaulichung soll folgende Formel dienen: Wasser + Druck = Taube + weg. Welcher Aquator das für Sie geeignete Modell ist, hängt von vielen Faktoren ab. Am besten lassen Sie sich von fachlich kompetentem Verkaufspersonal beraten. Unser Tipp: Spielwarengeschäft, Abteilung Wasserpistolen. Sollten Sie die Sache erst einmal ausprobieren wollen, empfiehlt die Redaktion eine einfache Plastikflasche mit Ventilverschluß (genau, Spülmittelbehälter und Konsorten). Für den Umgang mit dem Abschussgerät seien Ihnen abschließend noch ein paar praktische Ratschläge mit auf den Weg gegeben: • Der Aquator ist möglichst nach jedem Schuss wiederzubefüllen,
denn bereits nach einem geringen Flüssigkeitsverlust erreicht er
nicht mehr die notwendige Schlagkraft. Ein bis zum Anschlag gefüllter Aquator wird bei Fortgeschittenen erstaunliche Reichweiten erzielen. Besonders geübte Aquatechniker holen ihre Täubchen sogar im Flug aus der Luft. Gutes Gelingen und - Attackeeee! emr |