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Promille berechnen

Promille haben nicht immer mit Alkohol zu tun. Zum Beispiel haben ein paar Promille der Bevölkerung ein Kapital von einer Milliarde, wo und in welcher Währung auch immer. Oder die Zinsen für ein Sparbuch - die sind der Promillegrenze häufig näher als ertragreichen Traumprozenten. Deshalb sollten Sie Ihr Geld so nicht unbedingt anlegen, wenn Sie dereinst zu den erstgenannten Promille gerechnet werden möchten. Doch am bekanntesten sind noch immer die Promille, mit denen Sie punkten können: Traditionell in Flensburg, und der Führerschein kommt auch gleich weg. Und das sind erst die kleineren Übel.

Pusten oder was?
Beim 'Pusten' wird lediglich der 'Atemalkohol' gemessen. Ein Test des Blutalkoholgehaltes dagegen erkundet, wieviel Alkohol sich in der Körperflüssigkeit befindet, also im Blut plus jeder Menge Konsorten (im Folgenden der Kürze halber zusammenfassend nur 'Blut' genannt). Berechnen lässt sich der Blutalkoholgehalt nur ungefähr, zum Feststellen der Fahrtüchtigkeit sind die unten aufgeführten Beispiele nicht geeignet. Das Ganze ist eher eine Gedankenspielerei für Leute, die schon immer mal wissen wollten, mit wieviel Promille sie nach der gewohnten Menge Alkohol etwa rechnen müssen.

Persönliche Promille kurz:

  1. Alkoholmenge: Volumen% mal Deziliter mal 0,8
  2. Körperflüssigkeit: Frau ihre kg mal 0,6; Mann seine kg mal 0,7
  3. Promille = 1. Alkoholmenge : 2. Körperflüssigkeit

Zu kurz? -> Lesen Sie weiter ...
Zu mathematisch? -> Für Zahlenphobiker und Eilige taugt die altbwährte Faustregel
Fahren ja? Alkohol nein!1)
Stimmt immer, ist frei von Nebenwirkungen und kann jederzeit umgedreht werden.

Wieso nicht Prozent?
Wieviel Alkohol in Ihnen kreist, wird im Verhältnis 1 Teil Alkohol auf 1000 Teile Blut angegeben. In Promille eben. Prozentzahlen wären in der Handhabung umständlich klein, mit Komma und so, weil mensch schon ab 3 Promille ziemlich vergiftet und ab um die 5 Promille ziemlich tot ist. Dass jemand auch nur ein einziges ganzes Prozent Alkohol (das wären 10 Promille) in sich ansammeln könnte, ist also eher unwahrscheinlich.

PP - persönliche Promille
Beim Berechnen der persönlichen Promille kommt ein statistischer Wert mit einer Genauigkeit von +/- 0,1‰ heraus. Man kann bei errechneten 0,5 Promille also durchaus nur 0,4 haben oder doch schon 0,6. Das subjektive Empfinden allerdings, die gefühlten ein und dieselben 0,5 Promille, werden je nach körperlicher Verfassung, Zeit und Umständen unterschiedlich ausfallen. Mensch nimmt sie mal als betrunken, mal gar nicht wahr, je nachdem, ob er zB hungrig und müde drei Bier geext hat, was er sonst nie tut, oder ob er ausgeruht nach dem Essen drei Stunden lang braucht, bis er dieselbe, überdies gewohnte Menge intus hat. Wer bereits schwankt, kann weniger Promille im Blut haben als einer, der 'nichts merkt'.

Alkohol verdauen
Nur wenig Alkohol wird im Magen verdaut. Der Rest geht ins Blut, das ihn prompt in der Körperflüssigkeit verteilt. Es tut das nicht aus Rache, es kann nicht anders. In den Weiten des Web steht zu lesen, die Leber beginne erst nach einer Art 'Vorlaufzeit' mit dem Abbau des Blutalkohols. Je nachdem, wo Sie nachlesen, sind das wenige Minuten, 30 Minuten oder gar 2 Stunden. Die Geschwindigkeit des Abbaus lässt sich durch nichts beeinflussen. Soviel zu Bewegung, Schwitzen, Kaffee oder Präparaten als Mittel für den beschleunigten Blutalkoholabbau. Für das, was Sie intus haben, muss Ihre Leber gerade stehen. Bis auf das letzte Schlückchen.

Promille berechnen
Zum Berechnen der Promille im Blut benötigen Sie zwei Zahlen, nämlich die zur Verfügung stehende Menge Körperflüssigkeit und die aufgenommene Alkoholmenge. Wer hätte das gedacht. Und wer bis hierher mitgelesen hat, ist bestimmt interessiert genug, um das Rechenbeispiel nachvollziehen und später vielleicht auch auf reale Situationen anwenden zu können.
Die Rechnerei erscheint anfangs verwirrend, aber man gewöhnt sich daran und die Körperflüssigkeit dürfte bei den meisten Menschen relativ konstant bleiben, Sie müssen sie also nicht ständig neu berechnen. Spickzettel sind so erlaubt wie notendig, u.a. damit die Berechnung auch unter ungünstigen Bedingungen in Angriff genommen werden kann:
"Kannsunoch fahrn?"
"Weisnich. Mussma berebechnen."

1. Aufgenommene Alkoholmenge

Die muß in Gramm sein, sonst streikt die Formel. Um herauszufinden, wieviel Gramm Alkohol Sie zu sich genommen haben, multiplizieren Sie die Promilleangabe in Volumenprozent auf der entsprechenden Flasche mit der davon getrunkenen Menge in Deziliter. Die Deziliter braucht die Formel. Volumenprozent sind es deshalb, weil bei der Verwendung von auf das Gewicht bezogenen Prozenten auf jeder Flaschengröße ein anderer Wert stünde. Das wäre allzu verwirrend. Oh, Sie sind schon …? Aaaalso:

  1. Nehmen Sie die Flasche zur Hand. Eventuell benötigte Sehhilfen verwenden. Schauen Sie aufs Etikett oder lassen Sie es sich von einer vertrauenswürdigen Person vorlesen.
  2. Wieviele Umdrehungen hat das Zeug? Das sind die Volumenprozent. Bei Bier oft um die 5 Vol. alc.
  3. Wieviel Liter davon sind in der Flasche? Ein halber Liter sind 5 Deziliter (dl), ein ganzer sind 10 dl.
  4. Ist das Ding leer? Dann haben Sie vermutlich alle Volumenprozente intus. Für das Beispiel haben Sie bitte nur eine Flasche normalprozentiges Was-auch-immer geleert, nicht die ganze Kiste.
  5. Sollten Sie hochprozentige Getränke bevorzugen:
    Ein Deziliter ist ein Zehntel eines Liters und enthält 100 Milliliter (ml).
    Ein Centiliter (cl) ist ein Hundertstel eines Liters und enthält 10 ml.
    Also faßt ein Schnapsglas der häufig anzutreffenden Größe 2 cl etwa 0,2 dl, wenn es gut eingeschenkt ist. Denn 2 Centiliter = 2 Hunderstel vom Liter = 20 ml = ein Fünftel dl, auch geschrieben: 0,2 dl.
    Wieso Fünftel? - Nehmen Sie die 100 ml eines Deziliters und die 20 ml vom Schnapsglas. Bingo: Die 20 gehen fünfmal in die 100 rein. (Und wer nicht genau einschenkt, bleibt nicht lange Wirt.)
  6. [Psst!]Alternative: Im Internet finden Sie zahlreiche Promille-Rechner, die Ihnen die Arbeit abnehmen.[/Psst!]
  7. Ein halber Liter Bier mit 5 Vol% enthält also:
    5 Volumenprozent Alkohol mal 5 Deziliter Bier = 25 Milliliter Alkohol.

Endlich eine Zahl! Noch sind das aber Milliliter. Zur Umrechnung in Gramm muß man die Milliliter mit dem Faktor 0,8 multiplizieren, denn Alkohol ist leichter als Wasser. Ein Liter Alk wiegt rund 800g, also 0,8mal weniger als ein Liter Wasser. Wundern Sie sich, daß eine Kiste Bier trotzdem nicht auffallend leichter ist als eine mit alkoholfreiem? [Ist Bier reiner Alkohol?]

Wieviel Gramm Alkohol enthält Ihr Getränk denn nun? Kommt drauf an. Können Sie ausrechnen. Hier fünf Beispiele:

Alkoholgehalt: Beispiele
Getränk Menge Menge in dl mal Vol% = Alk in ml mal U-Faktor = Alk in g
Bier 0,5 l 5 5 25 x 0,8 20
Bier 0,3 l 3 5 15 x 0,8 12
Bier 0,2 l 2 11 22 x 0,8 17,6
Wein 0,75 l 7,5 14 105 x 0,8 85
Ouzo 2 cl 0,2 38 7,6 x 0,8 6

2. Körperflüssigkeit

Das 'Körperwasser', also Blut und Konsorten, macht bei einer 'normalen' Frau 60% des Körpergewichtes aus, beim Mann mit 'normaler Figur' sogar 70%, denn der männliche Standardkörper enthält laut Statistik wegen seines niedrigeren Fettanteiles 10% mehr Körperflüssigkeit.

  • Also multipliziere mann zur Berechnung des Flüssigkeitsanteils in seinem Körper sein Gewicht in kg mit dem 'Reduktionsfaktor' 0,7,
  • frau multipliziere ihr Gewicht in kg entsprechend mit dem Reduktionsfaktor 0,6.

Kleine und gleichzeitig stark übergewichtige Menschen beider Geschlechter haben mehr Fettgewebe und folglich wiederum weniger Körperwasser als statistische Standardkörper. Sie sollten ihren Reduktionsfaktor entsprechend nach unten korrigieren, überdurchschnittlich große und hagere Menschen sollten ihn erhöhen. Für's Ungefähr tun es vermutlich auch die oben genannten Einheitsfaktoren.

Flüssigkeit in Standardkörpern
Geschlecht Größe Gewicht Formel Ergebnis
Frau 1,60 m 60 kg 60 x 0,6 36 kg Körperflüssigkeit
Mann 1,80 m 75 kg 75 x 0,7 52,50 kg Körperflüssigkeit

3. Alkoholpegel in Promille

Endlich sind alle Zahlen beisammen. Was tun damit? Teilen Sie die aufgenommene Alkoholmenge in Gramm durch das Körperwasser in kg. Die Promille werden Ihnen sagen, wie tot Sie wirklich sind. Wenn die Frau oder der Mann vom letzten Absatz einen halben Liter Hefeweizen von 5 Vol% trinken, hat

  • die Frau 20 g Alkohol in 36kg Körperflüssigkeit = 0,56 Promille,
  • der Mann 20 g Alkohol in 52,5kg Körperflüssigkeit = 0,38 Promille.

Wieso sind das denn jetzt Promille?
Frau hat 36 kg Körperwasser, das sind 1000 ‰ (oder auch 100%, aber die sind hier nicht gefragt).
In Gramm, wie auch der Alkohol, sind das 36 000 g. (Über Blut, das dicker sei als Wasser, schweigt sich die Formel aus. Das sind höchstens 10% des Körperwassers.)
Ein Promille von 36 000 g sind 36 000 : 1000, also 36 g. 20 g Alkohol pro 36 g Körperwasser sind 20 : 36 = 0,56.

Zeitfaktor und Addition
Falsch wäre, allen während eines Besäufnisses äh gepflegten Beisammenseins konsumierten Alkohol aufzuaddieren, denn wie gesagt beginnt die Leber früher oder später mit dem Abbau. Auch haben nicht drei Bier à 5 Vol % zusammen 15 Vol %, sondern der Alkoholgehalt bleibt sich gleich. Die aufgenommene Alkoholmenge wächst natürlich.

Die Faustregel für die Abbaugeschwindigkeit von Alkohol im Körper ist 0,1 ‰ pro Stunde, zur etwas genaueren Berechnung dient wieder einmal eine Formel:

  1. 0,1 g Alkohol pro Stunde pro kg Körpergewicht,
    Frauen nur 0,085g Alkohol pro Stunde pro kg Körpergewicht (stand zu lesen - nerv).
  2. Die mit 0,55 ‰ alkoholisierte Frau baut 0,085 g mal 60 kg = 5,1 g Alkohol pro Stunde ab,
    der 0,38 ‰ - Mann 0,1 g mal 75 kg = 7,5 g.

Die Frau benötigt also für den Abbau des Alkohols eines Hefeweizens rund vier Stunden plus die 'Vorlaufzeit' von (sagen wir mal) einer Stunde zum Abbau und ist demnach erst nach 5 Stunden bei 0‰ angelangt. Der Abbau findet auch beim Weitertrinken statt, sodass von 4 Hefeweizen in vier Stunden (insgesamt 80 g Alkohol) nach dem vierten immerhin schon 15g Alkohol abgebaut sind. Allerdings ist die Beispiels-Normalfrau erst rund 13 Stunden nach Ende dieser Trinkerei wieder nüchtern im Sinne von: ohne Alkohol im Blut.

Persönliche Promille kurz:

  1. Alkoholmenge: Volumen% mal Deziliter mal 0,8
  2. Körperflüssigkeit: Frau ihre kg mal 0,6; Mann seine kg mal 0,7
  3. Promille = 1. Alkoholmenge : 2. Körperflüssigkeit

Jetzt können Sie mit der Kurzversion vom Anfang des Artikels etwas anfangen, nicht wahr? Oder Sie rechnen doch online. ;)


1) Ih, erhobener Zeigefinger? Pah. Trinken Sie halt ein Faß leer und dann auf zum Autoscooter. 2)

2) Prost. Die Schausteller werden Sie lieben. (Würg!)

(Formeln, Fäuste & Fakten zu Beginn des Jahrtausends über Internetrecherche zusammengetragen. Keine Gewähr auf Richtigkeit, erneute Recherche kann durchaus anders ausfallen. Mein Kommentar zum Ausdruck "PP - Persönliche Promille": Prust!)