Der Leo-Aspekt. Altgruftipunks Textereien.

Sonntag, 23 Januar 2005

Hallo Du!

Stell Dir vor, ich habe eine neue Waschmaschine! Mein erstes selbstfinanzier­tes Neugerät. Naja, fast - mein Vater hat mich mit Freuden (!) beim Kauf eines "gediegenen" Modells unterstützt. Die Küche ist klein, also wurde es ein Miele Toplader, und weil die verschärft teuer sind, wurde es der billigste. War trotzdem höllenschwer, laut Lieferant. Wehe, der hält keine zwanzig Jahre! Der Toplader, nicht der Lieferant. Hoffe, letzterer macht es noch ein wenig länger. :D Handwäsche in der Duschwanne ist übrigens eine zeit- und wringintensive Erfahrung.

Zur Baustelle: Du hattest recht, sie ist uns noch bis ins neue Jahr erhalten geblieben. Doch pünktlich zur Lieferung der Miele war Loch-2/geradeaus verschwunden. Inzwischen liegt die Straße da, als habe es Loch-1/quer nie gegeben, alle Gruben sind verfüllt und keine Leitungen mehr zu sehen. Apropos Leitungen, am Dienstagnachmittag hat die Brauerei, bei der wir unser Bier kaufen, einer höchst merkwürdigen Anwandlung nachgegeben: Sie hat zwei Leute entsandt, die für lau unsere Getränkeleitungen und allsowas überprüfen sollten. Ich war nicht dabei, ich bin ja die von der Nachtschicht. Hab' mich krumm und schief gestaunt, als meine Kollegin vom Tagdienst mir abends beim Schichtwechsel davon erzählt hat. O-Ton Brauereimensch angesichts eines Zapfhahns:

"So, und da, schaun Sie mal, wenn man da Wasser durchschickt, ja, das wissen die meisten nicht, und dann staunen sie immer, wenn der ganze Dreck rauskommt!"

Gestaunt haben sie dann selber, weil ich das schon längstens weiß und natürlich kein "Dreck" rausgekommen ist. Meine Kollegin wusste es ebenfalls, weil sie früher oft Vorkochdienst hatte, während ich mit den Leitungen zugange war. Sie ist aber nicht zu Wort gekommen und hat sich dann eins gegrinst.

Zum Abschied haben die Brauereileute noch neue Zapfhahngriffe montiert, die waren voll hip und so unpraktisch, dass ich sie umgehend wieder abmontiert habe. UND sie haben mir ein neues Reinigungsgerät für die Bierleitungen plus schnieke Kegkopfbürste hinterlassen!
"Keg" heißen die Zapfköpfe, die aufs Fass kommen. (Nicht wundern, der Link ist mit einem Geräusch unterlegt. *g*) Sicher hast Du schon mal gesehen, wie Bierfässer geliefert werden? Oben in der Mitte haben die ein großes Ventil, auf dem ist meist ein farbiger Plastikdeckel. Grün bei Bitburger Pils, blau bei Kutscher Alt, Köstritzer hat sich sonderbarerweise für schwarze entschieden. ;) Dieser Schutz wird entfernt und dann der Keg darübergeschoben und sein Griff heruntergedrückt. Auf der verlinkten Seite sieht man sie nur von unten, die Griffe sind auf der anderen Seite. Für die Pilsfässer hatten wir Flach­zapfköpfe zum Draufschieben, unseren alten Keg vom Altbier dagegen musste man hineindrehen und runterdrücken. Laut den Fotos war das ein Korbzapfkopf. Sieht schon ziemlich anders aus, nicht wahr? Sehr schön die verpeilte Aushilfe, die den Altbierkeg auf ein Pilsfass praktizieren wollte. *doh*

Weil Du so gern vom Leben einer Gastwirtin liest, folgt nun exklusiv für Dich der Bericht "Test des neuen Bierleitungsreinigungsgerätes". Boah, neun (9) Silben im Genitiv! Da wird dem Dativ blass, der hat nur acht, hehe. (Sammelst Du noch lange Wörter?) Den Test habe ich gestern vorgenommen, das auch im Nominativ achtsilbige Gerät hat leider nicht gepasst. Seine blitzeblanken Plastikschläuche hatten einen viel zu kleinen Durchmesser für unsere Zapfhähne und Zapf­hahnadapter. Jetzt willst Du sicher wissen, was das ist, ein Zapfhahnadapter. Du solltest endlich mal vorbeikommen und Dir das alles selber anschauen! Aber ich kann ja schon mal was dazu schreiben, dann kennst Du Dich bei Deinem Besuch bereits ein wenig aus. ;)

Also: Zur Reinigung der Bierleitungen koppelt man im Keller (oder Getränkekühlhaus oder wo halt die die Fässer stehen) zwei solche Leitungen aneinander. Einfach die Kegs abziehen, die Bierleitungen abschrauben und mit einem Stück Schlauch verbinden, das beidseitig die passenden Gewinde hat. Bloß nicht Getränke- mit CO₂-Zuleitung verwechseln! Die Kegs selbst stecke ich bei Eile in einen Eimer Heißwasser und schrubbe sie später mit der Kegkopf-Bürste, ansonsten zerlege ich sie in der Küche. Es empfiehlt sich sehr, vor dem vollständigen Entfernen der Kegs die CO₂-Flasche zu schließen. ;)
Nach dem Verbinden der Leitungen im Keller werden an der Zapfanlage entweder die Zapfhähne abgeschraubt - so machen wir das noch bei den beiden alten Exemplaren. Statt dessen kommen Adapter drauf, metallene Aufsätze mit Gewinde, Dichtung und einem Stutzen. Adapter festschrauben, Schläuche des Achtsilbigen auf die Stutzen schieben, ebenfalls fest­schrauben, und fertig ist der Kreislauf.

Mein Unser Bierleitungsreinigungsgerät ist keine Maschine und auch kein Elektrogerät, es hat nur einen Wasseranschluss und einen -ablauf. (Scroll mal zur Anleitung, da ist ein besseres Foto) Ersteren schließe ich an der Armatur des Thekenspülbeckens an, letzteren hänge ich hinein. Dann kommen zwei rote Schwammkugeln in das Gerät und Wasser marsch! Mit einem Hebel ändere ich immer mal wieder die Fließrichtung. Zuschauer fasziniert stets aufs Neue, wie die Schaumgummibällchen hin- und herflitzen, wie sie mit dem Leitungswasser in die eine Leitung hineingespült werden, ihre Reise in den Keller antreten und aus der anderen wieder herauskommen. Oder auch nicht, dann habe ich ein Problem und muss runter ins Kühlhaus rennen, wo die falsch angeschlossene Leitung dumm daliegt, während die richtige einen spontan entstandenen Flachwassersee speist.
Manchmal bleiben die kleinen roten Dinger auch nur irgendwo hängen, einmal wollte eins partout nicht wieder herauskommen und ist zum Erstaunen des Thekers mit dem ersten Bier des Abends ins Glas gerauscht. Er überreichte es mir später mit den Worten
"Guck mal, da war eins von deinen Kügelchen im Bier. Ich habe es für dich aufgehoben."
Eine Zeitlang hat eine der Pilsleitungen die Kügelchen in winzige Fetzen zerlegt, denn sie ist wegen defekter Kühlung allmählich eingefroren. Nach der Reparatur musste zum schnelleren Wiederauftauen ständig gezapft werden. Das wurde ein wüster Abend, denn das Bier musste schließlich irgendwo hin. ~:

Nun zum "oder" des "entweder" von eben: Abschrauben gilt nur für die alten Zapfhähne, die neuen bleiben an der Säule. Auch ein Adapter ist nicht mehr notwendig, die Schläuche des Achtsilbigen werden direkt über die Edel­stahl-Rohre gestülpt, aus denen das Bier fließt. Langweilig, aber auch weni­ger Arbeit. Natürlich haben die neuen Hähne einen anderen Durchmesser als die alten Adapter, weshalb ich mir seinerzeit einen zweiten Satz Schläuche gebastelt hatte. Warum sollte bei Getränkeschankanlagen das Neue besser zum Alten passen als zum Beispiel in der EDV? ;) (Weißt du noch, mein alter Drucker mit dem Parallelanschluss und das neue Notebook, das nur noch USB hat? Damals hieß die Lösung USB-to-parallel-Konverter.)

Die alten Hähne zerlege ich immer und breite die Einzelteile nach dem Einweichen, Reinigen und Abtrocknen auf einem Geschirrtuch aus - zum Nachtrocknen. Auf der verlinkten Seite gibt es Fotos von einem Kolbenschankhahn wie wir ihn hatten, zerlegt und unzerlegt. Was auf dem rechten Bild fehlt, ist die kleine schwarze Gummidichtung zwischen dem Zapfhahn und dem Leitungsende in der Zapfsäule, auf das er aufgeschraubt wird. Ohne die geht nichts, zum Glück gingen unsere nicht verloren.
Wenn die Teile des Zapfhahns nach nichts außer warmem Metall riechen, sind sie richtig sauber. Dann reibe ich die Kolben mit Hahnfett ein, machmal auch die Gewinde, und baue alles wieder zusammen. Die Kolben verschließen und öffnen über den Zapfhahngriff die Leitung. Ist zuviel Fett dran, schlägt der Griff schon mal von selber um. Dann rauscht das gute Bier auf die Theke und geradewegs in den Abfluss, und beim immer wachen Finanzamt leuchtet ein rotes Lämpchen auf:

Überschreitung der 5%-Schankverlust-Grenze!
Alarm! Schwarzausschank! Steuerbetrug!

Bei den neuen Zapfhähnen soll das Zerlegen und Reinigen wegen des "hygienischen Materials" nicht notwendig sein. Dafür sind sie tückisch: Wenn ich nach dem Montieren der Schläuche vergesse, sie umzulegen (wie zum Zapfen), schießt das Wasser mit Hochdruck aus den Luftlöchern. (Aus denen kommt der eingangs erwähnte "Dreck", wenn man sie nie mit einem Zahnstocher säubert.) Einmal habe ich auf diese Weise einen Stapel CDs erlegt, ein andermal die Jacke meiner Kollegin.

Ob Hygienehahn oder altes Modell, nach zwei- oder dreimaligem Hin und Her der Kugeln gilt die Leitung als sauber. Anfangs habe ich sie fünfzehn- bis zwanzig Mal durchgejagt, weil meine Vorgängerin mir das so erklärt hatte. (Gut möglich, dass ich aus Übergründlichkeit ein paar Runden dazuerinnert habe. *g*) Derzeit habe ich mich eingependelt auf fünfmal, nachdem die Leitung frei von Bier ist. Nun sind aber unsere Schwammkugeln zu groß für das neue Gerät, dessen dünne Schläuche nicht auf die schlanken hygie­nischen Hähne und erst recht nicht auf die alten Zapfhahnadapter passen. Mein altes Reinigungsmonster stammt von anno Tobak, die Schläuche für die alten Hähne sind noch aus rotem Gummi und mussten wirklich mal ersetzt werden. Auch wenn das neue Dings größtenteils aus popeligem Plastik besteht, wo ich solides Metall gewohnt bin, das sich nicht schon vom Wasserdruck herumschubsen lässt und dann umfällt und über die Theke wandert, bis es ins Becken plumpst. *augenverdreh*
Was tun? - Ich habe mir wieder mal Schlauchstücke aus dem Keller zurecht­geschnitten und mit den alten und neuen Anschlüssen und Schlauchklemmen zwei neue Schlauchsätze gebastelt. Freundlicherweise passen wenigstens die alten Metallanschlüsse auf die neuen Kunststoffgewinde. Dann habe ich zwei der Kugeln halbiert, denn im Gerät bleiben sie natürlich weiterhin hängen. Morgen bestelle ich neue in der richtigen Größe. Nun habe ich für die ver­schiedenen Zapfhähne jeweils passende Schläuche, leider sind die breiteren für die Adapter nicht richtig dicht. Trotz darumgewickelter Geschirrtücher und Auffangeimer gabe es Gespritze, zum Glück ist es nur Wasser

Wenn ich zügig arbeite und von unvorhergesehenen Ereignissen verschont bleibe, sind alle Leitungen in anderthalb Stunden gereinigt und wieder zusam­mengebaut. Gern bin ich gegen sechs Uhr soweit fertig, wenn die Abend­schicht eintrudelt (samstags öffnen wir erst um sieben). Dann kann ich nach dem Kühlhausputzen gleich anzapfen und die Kollegen müssen es kein zweites Mal tun - siehe oben, das Finanzamt hat auf jeden Getränkecentiliter ein misstrauisches Auge. (Als "Anzapfen" bezeichnen wir nebst dem An­stechen eines neues Fasses auch das Ablassen des Bieres, das über Nacht in der Leitung gestanden hat. Ist nicht überall Usus.) Danach pflege ich mir ein wohlverdientes Anzapfbier einzuverleiben, das wir wegen möglicher Rückstände von Leitungswasser natürlich keinem Gast anvertrauen können. ;)

Wer mir noch nie beim Reinigen der Leitungen zugesehen hat, erschrickt offenbar beim Anblick der zum Trocknen ausgebreiteten Einzelteile von Zapfhähnen und Kegs. Wegen des Gefummels mit dem neuen Gerät lagen sie gestern noch reichlich spät da. Ich musste mich sehr beeilen, damit die Theke pünktlich um sieben soweit war - die Limonadenleitungen und die vom Viez mache ich ja auch noch sauber (chemisch). Über dieser finalen Hetzerei habe ich bei einer Leitung das Abzapfen des Wassers vergessen, es war das Alt. Herrlich die verdutzten Gesichter der frühen Thekengäste, als statt dunklem Bier eine klare Flüsssigkeit aus der Leitung gekommen ist!
Der Zapfer hätte sich eigentlich denken können, was los ist, schließlich war ich ihm vorher die ganze Zeit in den Füßen herumgelaufen. Trotzdem hat er vor Schreck laut gekreischt:
"Wah, mein Altbier ist kaputt!"

*rofl* ... mach's gut!