Donnerstag, 30. September 2004
Hallo Du!
Ich fürchte, Du hast gerade zwei etwas, ähm, unfreundliche E-Mails von mir erhalten. Sorry! Ich versuche, so schnell wie möglich zu erklären, wie es dazu gekommen ist! Leider ist das nicht ganz einfach, vor allem nach einem so langen Schweigen - tut mir leid! Ich habe Deine Briefe nur deshalb nicht beantwortet, weil Pegasus (so heißt mein Mailprogramm) keine E-Mails mehr versenden konnte. Das ging nur noch über das unendlich langsame und umständliche 'E-Mail Office' meines Providers. Du weißt ja, mein Uralt-Rechner hat noch ein Modem. Diese Seite braucht Minuten, um sich aufzubauen, dann muss man sich durchs Menue hangeln, und beim Absenden hängt sie sich in 80 Prozent aller Fälle auf. Aus lauter Frust habe ich schließlich gar keine Nachrichten mehr beantwortet (nicht nur Deine!).
Angefangen hat alles mit einer E-Mail meines Providers:
Hallo Frau Kundin,
SMTP
heißt jetzt Twix
ASMTP.
Deshalb können Sie
sich fortan auch zum Versenden von Nachrichten bei unserem Server
anmelden. Das ist super, weil sicherer.
Das in der so frohen wie unwillkommenen Botschaft enthaltene Verb 'kann' war ein kaum verhohlenes 'muss': Wer seinen E-Mail-Client nicht innerhalb weniger Tage auf super ASMTP umstellte, konnte sich natürlich auch nicht sicher anmelden und folglich keine Nachrichten mehr versenden. Zwangsläufig musste ich mich mit der Anpassung meiner reichlich veralteten Version von Pegasus Mail befassen. Nach langem Forschen in ihrer Hilfedatei habe ich folgendes Bekenntnis aufgespürt:
Hallo Frau Anwenderin, SMPT wurde bereits 1982 veröffentlicht, während ich erst seit 1990 weltweit zur Verfügung stehe. SMTP ist also noch älter als ich, aber trotzdem noch immer sehr weit verbreitet. Es wird sich durchaus noch ein paar Jahre lang behaupten können, weshalb ich für ASMTP nicht gerüstet bin.
Schade eigentlich. - Leider gab es kein Update für eine Aktualisierung, ich musste eine vollkommen neue Pegasus-Version installieren. Große Freude, als ich endlich wieder alle E-Mails und Adressen beisammen hatte! (Fühle Dich geehrt - Deine ist eine der wenigen, die ich auswendig weiß.) Dann machte ich mich an die Umstellung auf ASMPT. Mit Problemen hatte ich nicht gerechnet - mein Provider hatte sogar für mein eher selten verwendetes Mail-Programm eigens eine Anleitung online gestellt. Dummerweise benutzten die Providerleute aber eine andere Version und dann auch noch die englische Ausgabe. Bei mir sah kein einziges Fenster so aus wie dort, die Menues waren völlig anders aufgebaut und fröhlich individuell beschriftet (nicht etwa 1 : 1 übersetzt). Pegasus' eigene Hilfe nutzte mir wenig, notgedrungen habe ich alles so umgestellt, wie es mir logisch erschien. Prompt konnte ich keine E-Mails mehr versenden.
Nach diesem schönen Erfolg wollte ich die Sache ein, zwei Tage ruhen lassen, es ist aber eine Woche daraus geworden. Gar vielfältig sind meine beruflichen Zuständigkeiten, Gastronomie verschlingt eine Menge Zeit und Energie. Nach dieser Woche ging mit Pegasus überhaupt nichts mehr, weder Versand noch Abholung von Post. Gnarf! Mehrmals konsultierte ich die in den Himmel gelobte Online-Hilfe meines Providers, bzw. versuchte ich, sie zu nutzen. Sie ist so schreiend maschinendumm, dass ich über diese Episode den Mantel des Schweigens breiten möchte.
Einigermaßen verzweifelt rief ich die Seite Erstinstallation für Neueinsteiger des Providers auf und studierte sie außerordentlich gründlich. Ich würde fündig, aber anders als erwartet: Diese Providerheinis hatten inzwischen nicht nur auf ASMTP umgestellt, sie hatten auch klammheimlich ihren POP3-Server umbenannt! Kaum war in Pegasus der Name geändert, schon klappte das Abholen meiner Post wieder. Aber auch nur das, Versenden ging noch immer nicht. Nach jedem Versuch kam binnen Sekunden mit munterem "Pling!" eine Fehlermail vom Postzustellungssystem zurück.
Wegen der unbrauchbaren Anleitung habe ich das Ganze für ein Konfigurationsproblem gehalten. Irgendwo hatte meine Version ein Häkchen, wo Providers Demo keins hatte (oder zwei oder umgekehrt). Also probierte ich alle nur erdenklichen Kombinationen von "Häkchen weg, Häkchen hin" durch, und das waren verdammt viele. Jeder Variante folgte eine Testmail an eine gültige Adresse, worin ich um Bestätigung des Erhalts bat. Mein eigenes Postfach schien mir dafür ungeeignet. Natürlich habe ich es immer mal wieder auch damit versucht. Das Ergebnis in ausnahmslos allen Fällen lautete "Pling!"
Tagelang ging das so, hier eine Stunde nach dem Aufstehen, da eine halbe vor dem Arbeiten. Ausgerechnet in dieser Zeit (oder sollte ich besser sagen: Selbstverständlich gerade in dieser Zeit?) war mein Dienst- und Pflichtenplan randvoll gepackt. Immer nur kurz hatte ich den Nerv und die Zeit, mich mit der blöden ASMTP-Umstellung herumzuschlagen. "Pling! Pling! Pling!" Pegasus platzte fast vor Nachrichten vom Postzustellungssystem, ich hatte sie wegen der Fehlermeldungen aufgehoben in der Hoffung, daraus etwas ableiten zu können. Es gab verschiedene, doch alle blieben mir gleichermaßen kryptisch:
550 authentication required
zum Beispiel war unlogisch, weil ich doch gerade die Authentifizierung
eingestellt und die entsprechenden Daten eingegeben hatte.
535 Incorrect authentication data
deutete auf ein falsches Passwort, einen
falschen Benutzernamen oder einen Tippfehler in einem von beiden
hin. Das wiederum konnte nicht sein, weil ich in diesen Feldern gar
nichts geändert hatte.
Trotzdem habe ich auch das durchgespielt, habe ein neues Passwort getestet, habe den Benuternamen neu eingetippt, ihn mit dem neuen und mit dem alten Passwort ausprobiert. Aber abgesehen von den sattsam bekannten Fehler-Mails ("Pling!") hat sich nichts getan. Irgendwann hatte ich die Faxen dermaßen dick, dass ich mich bestimmt drei Wochen lang überhaupt nicht mehr um das Problem gekümmert habe. Dann hatte ich auch vom Faxen-Dickhaben die Faxen dick und beschloss, die Sache mit dem ASMTP zu einem Ende zu bringen und diesmal nicht zu ruhen, bis der Fehler gefunden war.
Der musste doch aufzuspüren sein! Verbissen arbeitete ich mich durch ergoogelte Links - und entdeckte schließlich einen Mitbetroffenen. Er berichtete in einem Forum darüber, wie er aus lauter Verzweiflung akribisch jedes existente Pegasuseinstellungen-Fenster mit seines Providers Demofenstern verglichen hatte ... genau wie ich. Doch im Gegensatz zu mir hat er eine weitere grundlegende Änderung entdeckt, die mein Provider ebenso wie den Namenswechsel keiner Erwähnung für würdig befunden hatte: Zur ganz normalen Anmeldung beim Provider war neuerdings dort, wo Pegasus nur nach dem Benutzernamen fragt, die vollständige E-Mail-Adresse einzutragen. Also der Benutzername plus den kleinen Anhang "@meinProvider.de".
*IndieHilfeseitenbeiß*
Diese Daten werden für die Anmeldung beim SMTP-Server übernommen, dadurch waren die oben erwähnten, nur scheinbar unlogischen Fehlermeldungen zustandegekommen. Zwar fragte ich mich, wieso der POP3-Server die alte, unvollständige Anmeldung akzeptiert hat, der ASMTP-Server aber nicht. (Und warum es nur zwei Betroffene gab - waren wir wirklich derart selten dämlich?) Ich hab' das aber ziemlich schnell unter 'Mystische und unerklärbare digitale Ereignisse' verstaut und meinen Benutzernamen zur E-Mail-Adresse vervollständigt.
Längst schon hatte ich aufgegeben, in die Testmails jeweils einen richtigen Text eintzutippen. Ich benutzte auch nur noch eine "Testadresse des Tages", das ging schneller. Und gestern war eben Deine die erwählte Adresse, und mit der magischen Botschaft
"werghjk,l.-" (einmal den Finger über die Tastatur gezogen)
hat es ENDLICH geklappt! Das heißt, zum ersten Mal seit gefühlt 500 Versuchen war weder ein "Pling!" ertönt, noch eine Schimpfmail vom Postzustellungssystem zurückgekommen. Ich war froh, aber auch stinksauer, weil mich dieses vermeidbare Problem so viele Nerven gekostet hatte. Wutentbrannt und glücklich habe ich der nicht reklamierten ersten die hysterische zweite E-Mail hinterhergeschickt. Ich habe keine Sekunde lang daran gedacht, dass Dich
"Yeah!!!!! Geknackt du verfickter scheiß
ASsi MPT Wixer Server
Servus Server jipppieeiyeeeeeeeeeh!!!!!!!!111q"
tatsächlich erreichen würde. Und dass "M.P.T." Deine Initialen sind.
Ich hoffe, nach dieser langen Leidensgeschichte verzeihst Du mir die E-Mail. Da steht "Server", Du kannst Dir doch sicher denken, dass nicht Du damit gemeint bist? Nicht wahr?
... mach's gut!
P.S.: Ich weiß, es ist vermessen, wo ich doch so lange nicht geschrieben habe. Aber ich bitte um baldige Antwort!
P.P.S.: Fiep!